Domain kündigen: Was mit Website, E-Mail und der Adresse
Eine Domain zu kündigen klingt nach einem Häkchen im Kundenmenü, hat aber Folgen, die viele erst bemerken, wenn Website und E-Mail plötzlich weg sind. Entscheidend ist der Unterschied zwischen dem Vertrag bei Ihrem Anbieter und der Registrierung bei der Vergabestelle: Beides läuft nicht automatisch gleichzeitig ab. Wer diesen Unterschied ignoriert, verliert im schlimmsten Fall Postfächer und Website-Dateien unwiderruflich – oft schneller, als die Kündigungsbestätigung im Posteingang liegt.
Kündigen heißt nicht automatisch löschen
Wenn Sie bei Ihrem Provider (IONOS, Strato, Hetzner, united-domains und andere) auf „Domain kündigen“ klicken, kündigen Sie zunächst den Vertrag mit diesem Anbieter. Was danach mit der eigentlichen Domain-Registrierung passiert, hängt davon ab, was Sie im Kündigungsdialog auswählen. Üblich sind drei Wege:
- Löschen zum Vertragsende – die Domain wird bei der Registry endgültig zur Löschung angemeldet.
- Providerwechsel (Transfer) – die Domain zieht mit einem AuthInfo-Code zu einem anderen Anbieter um und bleibt erhalten.
- Kündigung ohne Angabe – gefährlich: bei manchen Anbietern und Endungen landet die Domain dann in einem Übergangszustand, bei anderen wird sie schlicht gelöscht.
Prüfen Sie im Kündigungsformular genau, welche Option markiert ist. Wollen Sie die Domain behalten, ist fast immer der Transfer der richtige Weg, nicht die Kündigung. Wie Sie den Anbieterwechsel konkret durchführen, steht in Domain zu einem anderen Anbieter umziehen.
Was sofort mit Website und E-Mail passiert
Sobald die Domain nicht mehr aktiv konnektiert ist, hört die Namensauflösung (DNS) auf zu funktionieren. Praktisch bedeutet das:
- Die Website ist nicht mehr erreichbar – Besucher sehen eine Fehlermeldung oder eine Parkseite der Registry.
- E-Mail-Adressen auf dieser Domain funktionieren nicht mehr. Eingehende Mails werden mit einem Bounce abgewiesen, ausgehende lassen sich nicht mehr versenden.
- Alle Dienste, die auf der Domain aufsetzen – Newsletter-Versand, Konten mit einer
@ihre-domain-Adresse als Login, DKIM/SPF-/DMARC-Einträge, verknüpfte Cloud-Dienste – fallen aus.
Wichtig: Websitedateien und Postfächer liegen zunächst noch auf dem Server Ihres Hosting-Pakets, solange auch dieses nicht gekündigt ist. Weg ist nur die Adresse, über die man sie erreicht. Kündigen Sie Hosting und Domain gemeinsam, verschwinden Daten und Adresse zusammen.
Der Lebenszyklus nach der Kündigung
Nach dem Kündigungstermin durchläuft eine Domain feste Phasen. Sie unterscheiden sich deutlich zwischen internationalen Endungen und der deutschen .de.
gTLDs: .com, .net, .org und Co.
Für die von der ICANN verwalteten Endungen gilt ein standardisierter Ablauf:
- Ablauf (Expiration): Zum Verfallsdatum wird die Domain deaktiviert, die Website geht offline.
- Renewal Grace Period: Für rund 30 bis 45 Tage können Sie meist noch zum normalen Preis verlängern.
- Redemption Grace Period (RGP): Weitere 30 Tage. Die Domain lässt sich zurückholen, aber nur gegen eine gesonderte Wiederherstellungsgebühr (Redemption Fee), die deutlich über dem Jahrespreis liegt.
- Pending Delete: Fünf Tage, in denen nichts mehr möglich ist.
- Freigabe: Die Domain ist wieder frei registrierbar – für jeden, auch für Wettbewerber oder Domain-Händler.
Diese Kette läuft ab dem Ablauf der Registrierung, nicht ab dem Tag Ihres Kündigungsklicks. Kündigen Sie mitten in der Laufzeit, bleibt die Domain oft bis zum bezahlten Enddatum aktiv.
.de-Domains und die DENIC-Regeln
.de-Domains folgen nicht dem ICANN-Schema. Zuständig ist die Genossenschaft DENIC. Wenn Sie den Vertrag kündigen, ohne die Domain zu transferieren, kann sie in den Status TRANSIT wechseln: DENIC übernimmt sie provisorisch.
- Im TRANSIT ist die Domain nicht mehr konnektiert – Website und E-Mail sind offline.
- Sie gehört aber weiterhin Ihnen und kann jederzeit an einen neuen Provider vergeben (Providerwechsel per AuthInfo) oder gezielt gelöscht werden.
- Es gibt bei
.dekeine klassische kostenpflichtige Redemption-Phase wie bei.com.
Eine endgültige Löschung (DENIC-„Löschen“) gibt die Domain frei. Danach kann sie sofort neu registriert werden. Wie lange es dauert, bis eine freigegebene Adresse wieder buchbar ist, behandelt Wie lange dauert es, bis eine Domain freigeschaltet wird.
Vor der Kündigung: diese Schritte zuerst
Erledigen Sie das, bevor die Kündigung wirksam wird – danach ist der Zugriff oft weg:
- Website sichern. Kompletten Datei-Export per FTP/SFTP ziehen und – bei WordPress und ähnlichen Systemen – zusätzlich die Datenbank exportieren (z. B. über phpMyAdmin,
Export → SQL). - E-Mails retten. Postfächer per IMAP in ein lokales Programm wie Thunderbird herunterladen oder als Archiv exportieren. Sonst sind alle gespeicherten Mails mit dem Postfach verloren.
- Domain-Verknüpfungen prüfen. Welche Dienste hängen an der Adresse? Google-Anmeldung, Zahlungsanbieter, Social-Media-Verifizierung, Software-Lizenzen. Diese vorher auf eine andere Adresse umstellen.
- AuthInfo-Code besorgen, falls Sie umziehen statt löschen wollen. Ohne diesen Code ist kein Transfer möglich.
- Weiterleitung einrichten, wenn die Adresse in Umlauf ist: E-Mail-Forwarding und eine 301-Weiterleitung der Website auf die neue Domain erhalten Reichweite und Rankings.
Alternativen zur Kündigung
Oft ist Kündigen gar nicht das Ziel. Wenn Sie mit dem Anbieter unzufrieden sind, aber die Domain behalten wollen, ist der Providerwechsel die bessere Wahl – die Adresse bleibt erhalten, nur der Verwalter ändert sich. Brauchen Sie die Domain gerade nicht, aber vielleicht später, lässt sie sich bei vielen Anbietern günstig „parken“, also ohne Website weiterführen. Und wenn Sie unsicher sind, wer eine Domain überhaupt hält, hilft So finden Sie den Anbieter einer Domain heraus.
Typische Fehler
- Zu spät gekündigt und trotzdem gezahlt: Kündigungsfristen laufen oft Wochen vor Vertragsende. Verpassen Sie sie, verlängert sich der Vertrag um ein weiteres Jahr.
- Domain statt Vertrag gelöscht: Wer die Domain endgültig löscht, obwohl er nur den Anbieter wechseln wollte, verliert sie an den freien Markt.
- Keine Datensicherung: Nach dem Löschen von Hosting und Postfach sind Website und Mails unwiederbringlich weg.
- Vergessene Weiterleitungen: Rechnungen, Passwort-Resets und Kundenmails gehen an tote Adressen – oft monatelang unbemerkt.
FAQ
Kann ich eine gekündigte Domain zurückholen?
Bei gTLDs ja, solange die Rückhol-Phasen nach dem Ablauf noch laufen: erst die Verlängerungsfrist (zum Normalpreis), danach die Redemption Grace Period von rund 30 Tagen – hier aber nur gegen eine erhöhte Wiederherstellungsgebühr. Zusammen sind das je nach Registrar einige Wochen. Danach ist die Domain frei und ein Zurückholen nur noch durch Neuregistrierung möglich, sofern niemand anderes zugegriffen hat. Bei .de lässt sich eine Domain im TRANSIT reaktivieren; nach endgültiger Löschung ist sie sofort für jeden frei.
Was passiert mit meinen E-Mails nach der Kündigung? Der Mailversand und -empfang stoppt sofort, wenn die Domain nicht mehr konnektiert ist. Bereits gespeicherte Mails bleiben nur erhalten, wenn Sie das Postfach vorher lokal per IMAP gesichert haben. Wird das Hosting mitgekündigt, wird der Postfachinhalt gelöscht.
Ist Kündigen dasselbe wie ein Anbieterwechsel? Nein. Beim Wechsel bleibt die Domain bestehen und wandert per AuthInfo-Code zum neuen Provider. Bei der Kündigung mit Löschoption endet die Registrierung – die Adresse wird freigegeben.
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