Wie finde ich den Anbieter einer Domain heraus?
Sie wollen wissen, über welchen Anbieter eine Domain läuft – etwa weil Sie eine Website übernehmen, einen Umzug vorbereiten oder herausfinden müssen, wer für Störungen zuständig ist. Der Haken: „Anbieter” ist mehrdeutig. Hinter einer Domain stecken bis zu drei verschiedene Firmen, und die gängigen WHOIS-Tools zeigen seit der DSGVO oft nur noch einen Bruchteil an. Wer die drei sauber auseinanderhält, findet jeden mit wenigen Befehlen zuverlässig heraus.
Drei „Anbieter”, die man nicht verwechseln darf
Bevor Sie suchen, klären Sie, welchen Anbieter Sie eigentlich meinen:
- Registrar (Domain-Anbieter): die Firma, bei der die Domain registriert und bezahlt wird – z. B. IONOS, GoDaddy, Namecheap. Steht in WHOIS/RDAP.
- DNS-Anbieter: betreibt die Nameserver, die den Domainnamen in IP-Adressen übersetzen. Erkennbar an den NS-Einträgen. Oft, aber nicht immer, identisch mit dem Registrar.
- Hosting-Anbieter: der Server, auf dem die Website wirklich liegt. Ergibt sich aus der IP-Adresse hinter der Domain, nicht aus WHOIS.
Diese drei können bei ein und derselben Domain drei völlig verschiedene Unternehmen sein. Ein häufiger Fehler ist, den Registrar für den Webhoster zu halten – das führt beim Support ins Leere. Im Folgenden trennen Sie die drei Ebenen sauber und ermitteln jede mit wenigen Befehlen.
Schritt 1: Registrar per WHOIS oder RDAP ermitteln
WHOIS ist das klassische Verzeichnis der Domainregistrierungen. Am schnellsten geht es online, ohne Installation:
- lookup.icann.org – offizielles Lookup der ICANN, deckt alle generischen Endungen (.com, .net, .org, .info …) ab.
- who.is oder whois.com – bequeme Oberfläche, zeigt Registrar und Nameserver.
Im Ergebnis interessiert Sie vor allem die Zeile „Registrar” (manchmal „Sponsoring Registrar”). Die Kontaktdaten des Inhabers sind bei den meisten Domains dagegen geschwärzt – dazu gleich mehr.
Auf der Kommandozeile geht es direkter. Unter Linux und macOS ist der whois-Befehl meist vorinstalliert:
whois example.com
Unter Windows gibt es whois nicht von Haus aus. Laden Sie das kleine Sysinternals-Tool whois.exe von Microsoft herunter, oder nutzen Sie die Online-Variante. Der in Windows eingebaute Befehl nslookup liefert nur DNS-Daten, keine Registrar-Angaben.
RDAP – der Nachfolger von WHOIS
WHOIS gilt technisch als veraltet und wird durch RDAP (Registration Data Access Protocol) ersetzt. RDAP liefert strukturiertes JSON und ist für gTLDs bereits Pflicht. Praktisch für die Kommandozeile:
curl -s https://rdap.org/domain/example.com | jq
rdap.org leitet die Anfrage automatisch an den zuständigen RDAP-Server der jeweiligen Registry weiter. Das jq am Ende formatiert die Ausgabe lesbar; ohne jq bekommen Sie das rohe JSON. Im Feld entities finden Sie den Registrar mit seiner IANA-ID.
Schritt 2: DNS- und Hosting-Anbieter über die Technik finden
Der Registrar sagt Ihnen nicht, wo die Website läuft. Dafür schauen Sie sich die DNS-Einträge an. Mit dig (unter Windows über die BIND-Tools nachinstallierbar, sonst nslookup):
dig example.com NS +short # Nameserver = DNS-Anbieter
dig example.com A +short # IP-Adresse der Website
Die NS-Einträge verraten den DNS-Anbieter oft schon am Namen (z. B. *.ns.cloudflare.com bei Cloudflare, ns1.your-server.de bei Hetzner). Die A-Records geben die IP-Adresse. Aus ihr ermitteln Sie den Hoster per Reverse-Lookup – setzen Sie dafür die von dig gerade ermittelte Adresse ein:
whois <IP-Adresse-aus-dig-A>
In der WHOIS-Auskunft zur IP stehen die Organisation und das autonome System (ASN) – also das Rechenzentrum bzw. der Hoster. Grafisch geht das auch über Dienste wie bgp.he.net oder eine IP-Standortabfrage.
Der Sonderfall .de: DENIC und die DSGVO
Bei deutschen .de-Domains verwaltet die DENIC die Registry. Seit Inkrafttreten der DSGVO im Mai 2018 gibt die öffentliche DENIC-WHOIS-Auskunft keine Inhaberdaten mehr heraus. Sie erhalten im Wesentlichen nur noch:
- Domain-Status,
- die Nameserver (Nserver),
- das Datum der letzten Änderung.
Abfragen können Sie über das Web-WHOIS auf denic.de oder per Kommandozeile:
whois -h whois.denic.de example.de
Den Registrar Ihrer eigenen .de-Domain sehen Sie am zuverlässigsten in der Rechnung oder im Kundenkonto des Anbieters – die öffentliche Auskunft nennt ihn nicht mehr durchgängig. Für fremde Domains bleiben Ihnen die Nameserver als bester Hinweis auf den verantwortlichen Provider.
Typische Stolperfallen
- „Redacted for Privacy” / DSGVO: Inhaberdaten sind bei privaten Domains fast immer geschwärzt. Für rechtliche Anliegen führt der Weg über den Registrar, nicht über WHOIS.
- Cloudflare & CDNs verschleiern den echten Host: Zeigt die A-Record-IP auf ein Cloudflare-Netz, sehen Sie das CDN – nicht den Ursprungsserver. Der tatsächliche Hoster bleibt dann verborgen.
- Nameserver ≠ Registrar: Viele Domains nutzen externe DNS-Dienste. Aus den NS-Einträgen auf den Registrar zu schließen, geht oft daneben.
- Rate-Limits: WHOIS-Server drosseln viele Abfragen in kurzer Zeit. Bei „query limit exceeded” hilft eine Pause oder ein anderer Dienst.
- Falsche Endung: Ein WHOIS-Server ist immer nur für seine TLD zuständig. Für
.atfragen Sienic.at, für.chdie SWITCH – die generischen Tools decken das aber meist automatisch ab.
Wenn Sie ohnehin gerade dabei sind, lohnt ein Blick darauf, wie ein Domainumzug abläuft und was ein Nameserver genau macht – beides hängt direkt mit den hier ermittelten Daten zusammen.
FAQ
Kann ich sehen, wem eine Domain privat gehört? In der Regel nein. Seit der DSGVO werden die Inhaberdaten privater Registrierungen geschwärzt. Sie sehen den Registrar; über dessen Kontaktformular lassen sich Anliegen an den Inhaber weiterleiten. Bei Unternehmen hilft oft das Impressum der zugehörigen Website weiter.
Warum zeigt WHOIS einen anderen Anbieter als den, bei dem die Website läuft?
Weil Registrar und Hoster verschiedene Firmen sein können. WHOIS nennt nur den Registrar. Den Hoster finden Sie über die IP-Adresse (dig example.com A) und eine anschließende WHOIS-Abfrage dieser IP.
Welches Tool ist das zuverlässigste?
Für die reine Registrar-Info ist lookup.icann.org bzw. RDAP am aktuellsten. Für die technische Seite – Nameserver und Hosting – kommen Sie an dig (oder nslookup unter Windows) nicht vorbei.
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