Wie finde ich den Anbieter einer Domain heraus?

Domains

Den Anbieter einer Domain finden Sie in wenigen Minuten heraus – entscheidend ist nur, welchen der drei möglichen Anbieter Sie meinen. Den Registrar (die Firma, bei der die Domain registriert ist) nennt eine RDAP- oder WHOIS-Abfrage, am schnellsten über lookup.icann.org oder auf der Kommandozeile mit curl -s https://rdap.org/domain/example.com. Den Hoster verrät dagegen nicht WHOIS, sondern die IP-Adresse hinter der Domain. Und bei deutschen .de-Domains hat sich die Lage Ende 2025 spürbar gedreht: Seit der NIS-2-Umsetzung zeigt die DENIC-Auskunft den zuständigen Provider wieder offen an. Bevor Sie loslegen, sollten Sie zwei Dinge kennen – sonst suchen Sie an der falschen Stelle.

Drei „Anbieter”, die man nicht verwechseln darf

Hinter jeder Domain stehen bis zu drei getrennte Unternehmen. Wer sie durcheinanderbringt, landet beim Support in der falschen Warteschleife.

EbeneWas das istWo Sie ihn findenWerkzeug (2026)
RegistrarFirma, bei der die Domain registriert und bezahlt wird (IONOS, GoDaddy, Namecheap …)RDAP-/WHOIS-Feld „Registrar”lookup.icann.org, rdap.org
DNS-Anbieterbetreibt die Nameserver, die den Namen in IP-Adressen übersetzenNS-Einträge der Domaindig … NS, Resolve-DnsName
Hosting-AnbieterServer, auf dem die Website tatsächlich liegtIP-Adresse (A/AAAA) + IP-WHOISdig … A, dann whois <IP>

Diese drei können identisch sein – eine Domain, die komplett bei IONOS läuft, hat IONOS in allen drei Rollen. Sie können aber auch drei verschiedene Firmen sein: Registrar Namecheap, DNS bei Cloudflare, Hosting bei Hetzner. Der häufigste Denkfehler ist, den Registrar für den Webhoster zu halten. Wer dann beim Registrar anruft, weil die Website nicht erreichbar ist, wird nichts ausrichten – der Server steht woanders.

Was sich 2025 und 2026 geändert hat

Zwei Änderungen haben die Anbietersuche gegenüber älteren Anleitungen umgekrempelt. Wer sie nicht kennt, sucht mit Werkzeugen, die es so nicht mehr gibt.

RDAP hat WHOIS als Standard abgelöst. Am 28. Januar 2025 hat die ICANN den WHOIS-Dienst offiziell abgekündigt: Die vertragliche Pflicht für gTLD-Registries und -Registrare (also .com, .net, .org, .info und Hunderte weiterer Endungen), einen WHOIS-Dienst über Port 43 zu betreiben, ist damit entfallen. Der Umstieg läuft seither gestaffelt – bis September 2025 hatten bereits 374 der rund 1.000 gTLDs ihren WHOIS-Dienst abgeschaltet, und im Juni 2025 überholte das RDAP-Anfragevolumen erstmals das von WHOIS. Verbindlich ist jetzt RDAP (Registration Data Access Protocol), das dieselben Daten als sauberes, maschinenlesbares JSON liefert. In der Praxis antwortet der alte whois-Befehl bei vielen Endungen zwar noch, aber blind verlassen sollten Sie sich darauf nicht mehr. Eine wichtige Ausnahme: Für .com hat die Registry Verisign im erneuerten Registry-Vertrag von November 2024 zugesagt, WHOIS dauerhaft parallel zu RDAP weiterzubetreiben – dort funktioniert die klassische Abfrage also auf absehbare Zeit weiter.

Wichtig zur Einordnung: Diese ICANN-Regel betrifft nur gTLDs. Länderendungen (ccTLDs) wie .de, .at oder .ch haben eigene Betreiber mit eigenen Regeln – und genau dort gab es die zweite große Neuerung.

Bei .de nennt die DENIC den Provider wieder. Jahrelang galt die Faustregel: Seit der DSGVO 2018 gibt die öffentliche DENIC-Auskunft praktisch keine Daten mehr heraus. Das stimmt so nicht mehr. Seit dem 6. Dezember 2025 – mit der deutschen Umsetzung der NIS-2-Richtlinie – zeigt die DENIC-Domainabfrage für jede .de-Domain wieder das verwaltende DENIC-Mitglied, also den technisch zuständigen Provider, offen an. Bei Domains von juristischen Personen (Firmen, Vereinen, Organisationen) kommen Name und Anschrift des Inhabers, E-Mail-Adresse und Telefonnummer hinzu. Nur bei natürlichen Personen bleiben die persönlichen Inhaberdaten aus Datenschutzgründen verborgen; sichtbar sind dann lediglich das Registrierungsdatum und das zuständige DENIC-Mitglied. Für die Frage „Über wen läuft diese .de-Domain?” ist das ein spürbarer Fortschritt: Der Provider steht wieder schwarz auf weiß in der Auskunft.

In fünf Schritten zum Anbieter

Die folgende Reihenfolge führt Sie zuverlässig ans Ziel – vom Registrar bis zum tatsächlichen Server. Ersetzen Sie DOMAIN jeweils durch den gesuchten Namen, etwa beispiel.de.

  1. Endung prüfen. Handelt es sich um eine gTLD (.com, .net, .org …) oder eine ccTLD (.de, .at, .ch)? Danach richtet sich, welches Werkzeug greift.
  2. Registrar abfragen. Für gTLDs lookup.icann.org öffnen oder curl -s https://rdap.org/domain/DOMAIN ausführen. Für .de die DENIC-Auskunft nutzen (siehe unten).
  3. Nameserver auslesen. dig DOMAIN NS +short – unter Windows Resolve-DnsName DOMAIN -Type NS – zeigt den DNS-Anbieter.
  4. IP der Website ermitteln. dig DOMAIN A +short liefert die IP-Adresse, über die die Seite ausgeliefert wird.
  5. Hoster zur IP bestimmen. whois <IP-Adresse> nennt die Organisation hinter dem Rechenzentrum – das ist Ihr Webhoster (oder ein CDN, dazu unten mehr).

Registrar per RDAP oder WHOIS ermitteln

Am schnellsten geht es im Browser, ganz ohne Installation:

  • lookup.icann.org – das offizielle ICANN-Lookup, inzwischen RDAP-basiert, deckt alle gTLDs ab und braucht keinen Account.
  • who.is oder whois.com – bequeme Oberflächen, die Registrar und Nameserver zusammen anzeigen.

Interessant ist vor allem die Zeile „Registrar” (in RDAP der Eintrag mit der Rolle registrar). Auf der Kommandozeile ist RDAP heute erste Wahl:

curl -s https://rdap.org/domain/example.com | jq

rdap.org schickt die Anfrage automatisch an den zuständigen RDAP-Server der jeweiligen Registry (Bootstrap über die IANA-Liste); jq formatiert das JSON lesbar. Im Feld entities steht der Registrar mit seiner IANA Registrar ID unter publicIds – eine eindeutige Nummer, mit der Sie den Anbieter zweifelsfrei identifizieren, selbst wenn zwei Firmen ähnlich heißen. Unter events finden Sie zusätzlich Registrierungs- und Ablaufdatum, unter status gesetzte Sperren wie client transfer prohibited.

Wer lieber das klassische WHOIS nutzt: Unter Linux und macOS ist whois meist vorinstalliert (whois example.com). Unter Windows fehlt der Befehl – laden Sie das kleine Sysinternals-Werkzeug whois.exe von Microsoft (ursprünglich von Mark Russinovich) herunter oder rufen Sie es über Sysinternals Live auf. Der eingebaute Windows-Befehl nslookup liefert ausschließlich DNS-Daten, keinen Registrar.

DNS- und Hosting-Anbieter über die Technik finden

Der Registrar sagt Ihnen nicht, wo die Website liegt. Das verrät die DNS-Ebene. Mit dig:

dig example.com NS +short      # Nameserver = DNS-Anbieter
dig example.com A +short       # IPv4-Adresse der Website
dig example.com AAAA +short    # IPv6-Adresse, falls vorhanden

Die NS-Einträge verraten den DNS-Anbieter oft schon am Namen: *.ns.cloudflare.com steht für Cloudflare, ns1.your-server.de für Hetzner, ns1078.ui-dns.de für IONOS. Unter Windows brauchen Sie dig nicht zu installieren – seit Windows 8 liefert die eingebaute PowerShell dasselbe:

Resolve-DnsName example.com -Type NS
Resolve-DnsName example.com -Type A

Aus der A-Record-IP ermitteln Sie den Hoster per WHOIS-Abfrage der Adresse:

whois 203.0.113.10

Die IP-WHOIS-Auskunft nennt die Organisation und das autonome System (ASN) – also das Rechenzentrum bzw. den Hoster. Grafisch geht das auch über bgp.he.net oder einen beliebigen IP-Standortdienst.

Der Cloudflare-Vorbehalt: Zeigt die A-Record-IP in ein Cloudflare-Netz (etwa 104.16.x oder 172.67.x), sehen Sie das CDN, nicht den Ursprungsserver. Der echte Hoster steckt dann hinter dem Proxy und lässt sich aus den öffentlichen Daten nicht zuverlässig ablesen. Dasselbe gilt für andere CDNs wie Fastly oder Akamai – ein häufiger Grund, warum die IP-Spur ins Leere läuft.

Der Sonderfall .de: So fragen Sie die DENIC ab

Für deutsche Domains ist die DENIC die Registry. Nach der oben beschriebenen NIS-2-Umstellung stehen Ihnen drei Wege offen:

  • Web: die Domainabfrage unter webwhois.denic.de – die bequemste Variante.
  • WHOIS (Port 43): whois -h whois.denic.de -T dn example.de
  • RDAP: curl -s https://rdap.denic.de/domain/example.de | jq (oder einfach wieder über rdap.org, das .de automatisch weiterleitet).

Für eine Firmendomain sehen Sie jetzt Inhaber, Anschrift und Kontaktdaten plus das verwaltende DENIC-Mitglied. Bei einer Privatperson bleibt es beim DENIC-Mitglied und dem Registrierungsdatum. Ein Detail lohnt die Aufmerksamkeit: Das angezeigte DENIC-Mitglied ist nicht immer identisch mit dem Anbieter, bei dem die Domain gekauft wurde. Viele kleinere Provider sind Reseller und wickeln die Registrierung über ein DENIC-Mitglied als Großhändler ab. Die Auskunft nennt dann den Großhändler – ein sehr guter, aber nicht immer letzter Hinweis auf die Vertragskette. Wer den konkreten Verkäufer sucht, kommt an einer Nachfrage beim genannten Mitglied manchmal nicht vorbei.

Noch ein Ausblick: Ab dem 14. April 2026 startet die DENIC eine zweite NIS-2-Phase, in der Registrierungsdaten einer Risikoprüfung unterzogen werden. Auffällige oder unvollständige Angaben können zu einer Verifizierungsaufforderung und im Extremfall zur Quarantäne der Domain führen. Für Ihre eigenen Domains heißt das ganz praktisch: Halten Sie die hinterlegten Kontaktdaten aktuell, sonst riskieren Sie eine Rückfrage.

Typische Stolperfallen

  • „Redacted for Privacy”: Bei privaten gTLD-Domains sind die Inhaberdaten weiterhin geschwärzt. Sichtbar bleibt der Registrar; rechtliche Anliegen laufen über dessen Kontaktformular, nicht über die Auskunft direkt.
  • Nameserver ≠ Registrar: Aus ns.cloudflare.com folgt nicht, dass die Domain bei Cloudflare registriert ist – dort läuft nur das DNS. Registrar und DNS-Anbieter sind oft verschiedene Firmen.
  • CDN verdeckt den Host: Eine IP im CDN-Netz ist nicht der Ursprungsserver. Bei Cloudflare, Fastly oder Akamai bleibt der echte Hoster verborgen.
  • Rate-Limits: WHOIS- und RDAP-Server drosseln viele Abfragen in kurzer Zeit. Bei „query limit exceeded” hilft eine kurze Pause oder ein anderer Dienst.
  • Falsche Endung: Jeder WHOIS-/RDAP-Server ist nur für seine TLD zuständig. .at liegt bei nic.at, .ch bei SWITCH. lookup.icann.org und rdap.org finden den richtigen Server meist automatisch – bei ccTLDs aber nicht immer.
  • Veraltete Anleitungen: Tipps nach dem Muster „WHOIS zeigt bei .de sowieso nichts” oder „nimm einfach whois” sind seit 2025/2026 überholt (siehe oben).

Wenn Sie die Daten ohnehin gerade vor sich haben, lohnt der Blick auf verwandte Fragen: wie ein Domainumzug zu einem neuen Anbieter abläuft, wie lange die Freischaltung nach einem Wechsel dauert und was überhaupt „gehostet” in der IT bedeutet – alles hängt direkt an den hier ermittelten Registrar-, DNS- und Hosting-Daten.

FAQ

Kann ich sehen, wem eine Domain privat gehört? Bei gTLDs in der Regel nicht – die Inhaberdaten privater Registrierungen sind geschwärzt. Bei .de-Domains einer Privatperson zeigt die DENIC seit Dezember 2025 zwar das verwaltende DENIC-Mitglied, nicht aber Name und Anschrift. Vollständige Inhaberdaten werden nur bei Firmendomains sichtbar. Bei Unternehmen hilft zusätzlich das Impressum der zugehörigen Website weiter.

Warum zeigt die Auskunft einen anderen Anbieter als den, bei dem die Website läuft? Weil Registrar und Hoster verschiedene Firmen sein können. RDAP/WHOIS nennt nur den Registrar. Den Hoster finden Sie über die IP-Adresse (dig example.com A) und eine anschließende WHOIS-Abfrage dieser IP.

Muss ich jetzt RDAP statt WHOIS benutzen? Für neue Abfragen ja – RDAP ist seit 2025 der verbindliche Standard für gTLDs und liefert strukturierte, verlässliche Daten. Der alte whois-Befehl funktioniert bei vielen Endungen noch (bei .com dauerhaft), gilt aber offiziell als abgekündigt. Am einfachsten nutzen Sie rdap.org oder lookup.icann.org.

Wie finde ich den Anbieter unter Windows ohne Zusatzsoftware? Nameserver und IP liefert die eingebaute PowerShell mit Resolve-DnsName DOMAIN -Type NS bzw. -Type A. Für den Registrar nutzen Sie am einfachsten ein Web-Tool wie lookup.icann.org – für die Kommandozeile brauchen Sie das kostenlose Sysinternals-whois.exe.

Was kostet die Anbietersuche? Nichts. RDAP, WHOIS, dig, Resolve-DnsName und die DENIC-Domainabfrage sind kostenlos. Kostenpflichtig sind nur spezialisierte Dienste wie Reverse-WHOIS oder historische Datenbanken – für die einfache Frage „Über wen läuft diese Domain?” brauchen Sie die nicht.

Wie erkenne ich, ob eine Domain hinter Cloudflare liegt? Wenn dig DOMAIN NS +short Nameserver auf *.ns.cloudflare.com zeigt oder die A-Record-IP in einem Cloudflare-Bereich liegt (etwa 104.16.x oder 172.67.x), läuft die Domain über Cloudflare. Der tatsächliche Ursprungsserver dahinter bleibt dann verborgen – erkennbar ist nur das CDN.

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