Website erstellen unter Linux: Baukasten oder WordPress
Unter Linux fehlt kein Werkzeug, um eine Website zu bauen – die Frage ist nur, welchen Weg Sie gehen wollen. Wer klicken statt tippen möchte, nimmt einen grafischen Baukasten. Wer WordPress zuhause entwickeln will, richtet einen lokalen Server ein. Und wer Tempo und Sicherheit sucht, generiert statische Seiten. Dieser Überblick zeigt für jeden dieser drei Wege die passende Software, die Installationsbefehle und die Fehler, die Einsteiger am häufigsten ausbremsen.
Drei Wege – erst entscheiden, dann installieren
Bevor Sie irgendetwas herunterladen, klären Sie eine Frage: Soll die Seite lokal auf Ihrem Rechner entstehen und später auf einen Server wandern, oder wollen Sie direkt in einem gehosteten System arbeiten? Danach richtet sich die Werkzeugwahl:
- Grafischer Baukasten (kein Code): Publii oder ein browserbasierter Anbieter.
- WordPress lokal entwickeln: LocalWP, DDEV oder ein von Hand aufgesetzter LAMP-Stack.
- Statische Website (schnell, wartungsarm): Hugo, Astro oder Eleventy.
Dazu kommen in jedem Fall Design- und Code-Werkzeuge. Die stellen wir weiter unten vor.
Grafische Baukästen: Website ohne Programmieren
Publii – der Desktop-Baukasten für statische Seiten
Publii ist eine kostenlose Open-Source-App, die aussieht wie ein CMS, aber statisches HTML erzeugt. Sie arbeiten in einer grafischen Oberfläche, klicken auf „Vorschau“, und Publii baut fertige Dateien, die Sie per FTP oder direkt zu Netlify/GitHub Pages hochladen. Kein Server, keine Datenbank, kein Wartungsaufwand.
Für Linux gibt es Pakete als .deb, .rpm, AppImage und Snap:
sudo snap install publii
Das eignet sich für Vereins-, Portfolio- oder Firmenseiten, bei denen Sie Inhalte selbst pflegen, aber keinen Blog mit hunderten Kommentaren betreiben.
Browserbasierte Baukästen laufen auf jedem Linux
Baukästen wie die von IONOS, Strato oder Jimdo laufen komplett im Browser – Ihr Betriebssystem ist damit egal. Unter Linux öffnen Sie Firefox oder Chromium und legen los. Der Vorteil: Hosting ist inklusive. Der Nachteil: Sie sind an den Anbieter gebunden und zahlen monatlich. Eine Alternative ohne Registrierung beschreiben wir unter /eigene-website-kostenlos-erstellen-ohne-anmeldung/.
WordPress lokal auf Linux entwickeln
Ein großer Teil aller Websites weltweit läuft auf WordPress. Bevor eine Seite live geht, entwickelt man sie am besten lokal. Dafür gibt es drei Wege – vom Ein-Klick-Tool bis zur Handarbeit.
LocalWP – der schnellste Einstieg
LocalWP (früher „Local by Flywheel“) richtet mit wenigen Klicks eine komplette WordPress-Installation samt Datenbank ein. Sie laden das .deb-Paket von der Herstellerseite, installieren es und klicken auf „Create a new site“. Fertig ist eine lokale Adresse wie http://meine-seite.local. Ideal, wenn Sie Themes und Plugins testen wollen, ohne sich um Server-Konfiguration zu kümmern.
DDEV – reproduzierbar und Docker-basiert
DDEV ist der Profi-Weg: Es kapselt Apache/nginx, PHP und MySQL in Docker-Containern, sodass jede Projektumgebung identisch reproduzierbar ist. Voraussetzung ist eine installierte Docker-Engine. Ein neues WordPress-Projekt entsteht so:
mkdir mein-projekt && cd mein-projekt
ddev config --project-type=wordpress
ddev start
ddev launch
ddev launch öffnet die Seite direkt im Browser. Der große Vorteil: Sie können mehrere Projekte mit unterschiedlichen PHP-Versionen parallel betreiben, ohne dass es zwischen den Umgebungen zu Konflikten kommt.
Der klassische LAMP-Stack von Hand
Wer verstehen will, was unter der Haube passiert, setzt den LAMP-Stack (Linux, Apache, MySQL, PHP) selbst auf. Auf Ubuntu:
sudo apt update
sudo apt install apache2 mysql-server php libapache2-mod-php php-mysql
sudo mysql_secure_installation
Auf reinem Debian ist mysql-server in den Standard-Paketquellen meist nicht enthalten – dort installieren Sie stattdessen mariadb-server, das sich für WordPress identisch verhält.
Anschließend legen Sie eine Datenbank an, entpacken WordPress nach /var/www/html/ und rufen http://localhost auf. Diesen manuellen Weg – speziell auf Linux Mint – zeigen wir Schritt für Schritt unter /website-erstellen-linux-mint/.
Statische Website: schnell, sicher, günstig
Statische Seiten haben keine Datenbank, die gehackt werden kann, laden in Millisekunden und lassen sich fast kostenlos hosten. Das macht sie zur ersten Wahl für Blogs, Dokumentationen und Landingpages.
Hugo – Tempo pur
Hugo ist ein einzelnes, in Go geschriebenes Programm, das aus Markdown-Dateien eine komplette Website baut – oft in unter einer Sekunde. Installation und erstes Projekt:
sudo apt install hugo
hugo new site meinblog
cd meinblog
hugo server -D
Der eingebaute Entwicklungsserver läuft danach auf http://localhost:1313. Achtung: Die Hugo-Version in den Distributions-Paketquellen ist häufig veraltet. Für Themes, die eine aktuelle „extended“-Variante verlangen, laden Sie besser das offizielle Binary von der Hugo-Website oder nutzen snap install hugo.
Astro und Eleventy
Wer Komponenten oder JavaScript einbinden will, greift zu Astro (npm create astro@latest) oder dem minimalistischen Eleventy (npx @11ty/eleventy). Beide setzen eine Node.js-Installation voraus (sudo apt install nodejs npm). Astro liefert standardmäßig sehr wenig JavaScript aus und ist damit gut für schnelle, SEO-freundliche Seiten geeignet.
Design- und Code-Werkzeuge
Egal welchen Weg Sie wählen – Grafiken und Feinschliff brauchen Sie immer.
- GIMP ersetzt Photoshop für Fotobearbeitung, Freisteller und Web-Grafiken.
- Inkscape ist das Standardwerkzeug für Vektorgrafiken – ideal für Logos, Icons und SVGs, die auf jeder Bildschirmgröße scharf bleiben.
- Penpot ist eine Open-Source-Alternative zu Figma für UI-Design; es läuft im Browser oder self-hosted.
- Editoren: Für HTML, CSS und PHP eignen sich VS Code (als
.deb, Snap oder Flatpak), der KDE-Editor Kate oder der schlanke Bluefish. Reines HTML von Hand schreiben Sie zur Not sogar im Texteditor – wie das grundsätzlich geht, steht unter /html-website-erstellen-mit-notepad/.
Typische Stolpersteine und ihre Lösung
“Port 80 already in use” – Apache startet nicht, weil ein anderer Dienst den Port belegt. Verursacher finden:
sudo ss -tlnp | grep :80
Oft läuft ein zweiter Webserver oder ein Docker-Container. Beenden oder Port ändern.
MySQL/MariaDB fragt root nach Passwort, obwohl keins gesetzt ist – die Paketinstallation authentifiziert root standardmäßig über das Systemkonto (auth_socket bzw. unix_socket), nicht über ein Passwort. Melden Sie sich stattdessen mit sudo mysql an; ein separates Passwort setzen Sie erst danach.
Dateien lassen sich nicht speichern / WordPress kann nicht schreiben – das Web-Verzeichnis gehört root, nicht Ihrem Nutzer. Rechte auf den Webserver-Nutzer setzen:
sudo chown -R www-data:www-data /var/www/html
“permission denied” bei Docker/DDEV – Ihr Benutzer ist nicht in der Docker-Gruppe. Nach sudo usermod -aG docker $USER müssen Sie sich einmal ab- und wieder anmelden.
Weißer Bildschirm in WordPress – meist eine zu alte PHP-Version. Prüfen mit php -v; WordPress empfiehlt PHP 8.x.
FAQ
Brauche ich Programmierkenntnisse, um unter Linux eine Website zu erstellen? Nein. Mit Publii oder LocalWP klicken Sie sich ohne eine Zeile Code durch. Erst der LAMP-Stack und Static-Site-Generatoren wie Hugo setzen etwas Terminal-Erfahrung voraus – dafür haben Sie dann volle Kontrolle.
Welche Linux-Distribution eignet sich am besten? Praktisch jede. Ubuntu, Linux Mint und Debian haben die größte Community und die meisten deutschsprachigen Anleitungen, deshalb finden Einsteiger dort am schnellsten Hilfe. Wer später einen eigenen Server mit Verwaltungsoberfläche betreiben will, findet Hinweise unter /welches-linux-fuer-plesk/.
Kann ich die lokal gebaute Seite später auch hosten? Ja. Statische Seiten (Hugo, Publii, Astro) laden Sie zu praktisch jedem Webspace, zu Netlify oder GitHub Pages hoch. Eine lokale WordPress-Installation braucht auf dem Server ebenfalls PHP und MySQL – das bieten alle gängigen Webhosting-Pakete.