Welches Linux für Plesk? AlmaLinux, Rocky, Ubuntu & Debian im Vergleich
Die alte Standardantwort auf die Frage “Welches Linux für Plesk?” lautete jahrelang “CentOS” – und genau die ist seit dem 30. Juni 2024 falsch. CentOS 7 hat das Support-Ende erreicht, CentOS Linux 8 wurde schon Ende 2021 eingestellt. Wer heute einen neuen Plesk-Server aufsetzt oder einen bestehenden migriert, braucht eine andere Distribution. Die risikoärmste Wahl heißt in den meisten Fällen AlmaLinux 9 – und einen laufenden CentOS-7-Server ziehen Sie mit dem Plesk-Werkzeug centos2alma ohne Neuinstallation um.
Die kurze Antwort
Für neue Plesk-Installationen gibt es 2026 zwei sinnvolle Lager:
- RHEL-Familie (empfohlen für CentOS-Umsteiger): AlmaLinux OS 9 oder Rocky Linux 9. Beide sind 1:1-kompatibel zu Red Hat Enterprise Linux und damit der direkte CentOS-Nachfolger. Plesk empfiehlt AlmaLinux ausdrücklich als Standard-Ersatz.
- Debian-Familie: Ubuntu 22.04 LTS oder 24.04 LTS, alternativ Debian 12 (“Bookworm”). Ideal, wenn Ihr Team ohnehin mit
aptund Debian-Paketen arbeitet.
Wenn Sie keinen zwingenden Grund für etwas anderes haben, ist AlmaLinux 9 die risikoärmste Wahl. Alle Anleitungen, die früher für CentOS geschrieben wurden, funktionieren dort nahezu unverändert.
Welche Distributionen Plesk offiziell unterstützt
Plesk installiert und aktualisiert sich nur auf offiziell freigegebenen Systemen sauber. Der aktuelle Stand (Plesk Obsidian 18.x):
| Distribution | Unterstützte Versionen | Bemerkung |
|---|---|---|
| AlmaLinux OS | 8, 9 | Empfohlener CentOS-Nachfolger |
| Rocky Linux | 8, 9 | Gleichwertige RHEL-Kopie |
| CloudLinux | 7, 8, 9 | Für Shared Hosting / Reseller |
| RHEL | 8, 9 | Kommerziell, mit Red-Hat-Support |
| Ubuntu | 20.04, 22.04, 24.04 (LTS) | Nur LTS-Versionen |
| Debian | 11, 12 | Stabil, konservativ |
| CentOS | 7 (ausgelaufen), Stream 9 | Nicht für Neuinstallationen |
Zwei Dinge sind wichtig: Plesk unterstützt bei Ubuntu ausschließlich LTS-Versionen – die Zwischenversionen (z. B. 23.10) sind außen vor. Und die genaue Freigabe neuer Versionen hängt am Plesk-Release: Ubuntu 24.04 LTS wird beispielsweise erst ab Plesk Obsidian 18.0.61 unterstützt (Stand: Juli 2026).
CentOS ist tot – was jetzt?
CentOS Linux gibt es als klassische, kostenlose RHEL-Kopie nicht mehr. Was übrig ist:
- CentOS 7: Support seit 30. Juni 2024 beendet. Keine Sicherheitsupdates mehr. Auf keinen Fall für neue Server, und bestehende sollten zügig migriert werden.
- CentOS Stream: Kein klassisches “stabiles” CentOS, sondern die Vorschau-Rolling-Variante vor RHEL. Für Produktivserver mit Plesk ist das die falsche Baustelle.
Der saubere Weg heißt AlmaLinux oder Rocky Linux. Beide sind gezielt entstanden, um die Lücke zu füllen, die CentOS hinterlassen hat, und binärkompatibel zu RHEL.
Für die Migration eines laufenden CentOS-7-Servers müssen Sie nicht neu aufsetzen. Plesk stellt dafür das Kommandozeilen-Werkzeug centos2alma bereit, das eine In-Place-Konvertierung nach AlmaLinux 8 durchführt. Es ist ein eigenständiges Tool, das Sie als Release-Paket direkt aus dem offiziellen GitHub-Repository plesk/centos2alma beziehen (aktuell Version 1.5.0, Stand: Juli 2026). Der Ablauf, jeweils als root:
# 1. Vollständiges Backup / Snapshot anlegen (Pflicht, siehe unten)
# 2. centos2alma von GitHub herunterladen und ausführbar machen:
wget https://github.com/plesk/centos2alma/releases/download/v1.5.0/centos2alma-1.5.0.zip
unzip centos2alma-1.5.0.zip
chmod 755 centos2alma
# 3. Konvertierung starten – am besten in einer screen-Sitzung
# (schützt vor Abbruch bei SSH-Trennung):
screen -S centos2alma
./centos2alma
Das Tool prüft zunächst die Voraussetzungen (Speicherplatz, Erweiterungen, Datenbanken), fährt dann die Konvertierung durch und startet den Server mehrfach neu. Den Fortschritt verfolgen Sie in einer zweiten Sitzung mit ./centos2alma --status bzw. ./centos2alma --monitor. Rechnen Sie mit spürbarer Downtime – die Konvertierung dauert typischerweise rund 30 bis 60 Minuten – und planen Sie ein Wartungsfenster ein. Legen Sie vorher zwingend ein vollständiges Backup bzw. einen Snapshot an – eine In-Place-Distributionskonvertierung ist immer ein Eingriff mit Risiko.
AlmaLinux vs. Rocky Linux
Technisch nehmen sich die beiden fast nichts – beide sind kostenlose, RHEL-kompatible Enterprise-Distributionen mit langem Supportzeitraum (jeweils rund 10 Jahre pro Hauptversion). Der Unterschied liegt im Hintergrund:
- AlmaLinux wird von der gemeinnützigen AlmaLinux OS Foundation getragen und von CloudLinux gesponsert. Plesk und viele Hoster bevorzugen es, entsprechend gut ist die Werkzeug- und Doku-Lage rund um Plesk.
- Rocky Linux stammt von der Rocky Enterprise Software Foundation, gegründet von einem der ursprünglichen CentOS-Mitgründer.
Praktische Empfehlung: Wenn Sie mit Plesk arbeiten, nehmen Sie AlmaLinux, weil das Ökosystem (inkl. centos2alma) am dichtesten darauf ausgerichtet ist. Rocky ist eine gleichwertige Alternative, wenn Ihre Organisation es ohnehin einsetzt.
Ubuntu und Debian als Alternative
Wenn Ihr Team lieber mit der Debian-Welt arbeitet, sind Sie mit Plesk ebenfalls gut bedient:
- Ubuntu LTS (22.04 “Jammy”, 24.04 “Noble”) bietet fünf Jahre Standard-Support, viele aktuelle Paketversionen und die breiteste Anleitungslage im Netz. Für die meisten neuen Plesk-Server außerhalb der RHEL-Welt die naheliegende Wahl.
- Debian 12 (“Bookworm”) ist konservativer und extrem stabil, die Pakete sind minimal älter, dafür ist das System sehr berechenbar. Beliebt bei Admins, die “läuft einfach” über “neueste Version” stellen.
Ein häufiger Denkfehler: Die Distribution entscheidet nicht allein über Ihre PHP- oder Datenbankversion. Plesk bringt eigene, gepflegte PHP-Builds mit und lässt Sie die PHP-Version pro Domain umschalten – unabhängig davon, welches PHP das Basissystem mitliefert. Für die grundsätzlichen Leistungsanforderungen eines Webservers ist ohnehin eher die Hardware und Konfiguration entscheidend als die Distribution; mehr dazu unter /wordpress-server-anforderungen/.
CloudLinux – für Shared Hosting und Reseller
Sobald Sie mehrere Kunden auf einem Server hosten, wird CloudLinux interessant. Es basiert auf der RHEL-Familie, ergänzt aber Funktionen, die genau auf Shared Hosting zielen:
- LVE (Lightweight Virtual Environment): Grenzt CPU, RAM und Prozesse pro Konto hart ab. Ein Kunde mit einem außer Kontrolle geratenen Skript legt so nicht den ganzen Server lahm.
- CageFS: Kapselt jeden Nutzer in ein eigenes virtuelles Dateisystem, sodass Kunden sich nicht gegenseitig ausspähen können.
- PHP Selector und die hauseigene, gehärtete PHP-Distribution.
Für einen einzelnen Firmen- oder Projektserver ist CloudLinux überdimensioniert (und kostenpflichtig). Für Reseller- und Hosting-Geschäft ist es dagegen oft die beste Basis unter Plesk.
RHEL im Unternehmenskontext
Red Hat Enterprise Linux ist die kommerzielle Variante mit Herstellersupport, Zertifizierungen und langen Lebenszyklen. Sinnvoll, wenn Sie ohnehin Red-Hat-Verträge haben, Compliance-Anforderungen einen kommerziellen Support-Vertrag verlangen oder Sie große, geschäftskritische Umgebungen fahren. Für die meisten kleinen und mittleren Websites ist der kostenlose Klon (AlmaLinux/Rocky) technisch identisch und die pragmatischere Wahl.
Entscheidungshilfe nach Szenario
- Ich migriere von CentOS 7 und will minimale Reibung: In-Place-Konvertierung per
centos2alma(landet auf AlmaLinux 8); ein späterer Sprung auf AlmaLinux 9 ist optional möglich. - Neuer Einzelserver, RHEL-Welt bevorzugt: AlmaLinux 9 (oder Rocky 9).
- Neuer Einzelserver, Debian/Ubuntu-Team: Ubuntu 24.04 LTS oder Debian 12.
- Shared Hosting / Reseller mit vielen Kunden: CloudLinux.
- Konzern mit Support-Vertrag und Compliance-Pflichten: RHEL 9.
Typische Fehler und wie Sie sie vermeiden
- Non-LTS-Ubuntu erwischt: Eine 23.10 lässt sich nicht sauber mit Plesk betreiben. Immer eine LTS-Version wählen (gerade Jahreszahl, z. B. 22.04 / 24.04).
- Server ohne Backup direkt konvertiert: Vor
centos2almaoder jeder Distributions-Konvertierung Snapshot/Backup. Ohne Rückweg wird ein Fehlschlag teuer. - Distribution nach PHP-Version ausgewählt: Unnötig – die PHP-Version steuern Sie in Plesk pro Domain, nicht über das Basissystem.
- Zu knappe Hardware: Das offizielle Minimum laut Plesk-Doku liegt bei nur 1 GB RAM plus 1 GB Swap und 20 GB freiem Speicher (Stand: Juli 2026) – damit läuft Plesk zwar, unter Last aber unangenehm. Rechnen Sie für Produktivbetrieb realistisch eher mit 2 bis 4 GB RAM und aufwärts.
- Auf CentOS Stream statt AlmaLinux gesetzt: Stream ist Vorlauf-Code für RHEL, kein stabiler Produktivunterbau.
FAQ
Läuft Plesk noch auf CentOS 7? Bestehende Installationen laufen technisch weiter, erhalten aber keine Sicherheitsupdates des Betriebssystems mehr (EOL seit 30. Juni 2024). Für Neuinstallationen ist CentOS 7 keine Option – migrieren Sie auf AlmaLinux oder Rocky Linux.
AlmaLinux oder Rocky Linux – was ist besser für Plesk?
Beide sind technisch nahezu identisch und RHEL-kompatibel. Im Plesk-Umfeld ist AlmaLinux das etwas naheliegendere: Plesk empfiehlt es als Standard-CentOS-Nachfolger, und Werkzeuge wie centos2alma sind darauf ausgerichtet.
Muss ich für einen Distributionswechsel den Server neu aufsetzen?
Nicht zwingend. Von CentOS 7 nach AlmaLinux gibt es mit centos2alma eine unterstützte In-Place-Konvertierung. Ein sauberes Neuaufsetzen mit Datenmigration ist aber oft der übersichtlichere Weg – gerade bei alten, über Jahre gewachsenen Servern.
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