Website erstellen unter Linux Mint: LAMP & WordPress
Linux Mint bringt alles mit, um eine Website lokal zu bauen und zu testen – ohne kostenpflichtige Zusatzsoftware. Da Mint auf Ubuntu (und damit Debian) aufsetzt, läuft die Installation über apt, und der komplette Webstack steht in wenigen Minuten. Diese Anleitung führt Sie mit den konkreten Terminalbefehlen durch zwei Wege – eine schlanke statische Seite und eine vollwertige WordPress-Installation – und zeigt, wie Sie die häufigsten Fehler vermeiden.
Welcher Weg passt zu Ihnen?
Bevor Sie irgendetwas installieren, klären Sie die wichtigste Frage: Braucht Ihre Seite ein CMS?
- Statische Website (HTML/CSS, optional JavaScript): schnell, sicher, extrem günstig zu hosten, keine Datenbank. Ideal für Portfolios, Landingpages, Vereinsseiten oder Dokumentation.
- WordPress oder anderes CMS: grafische Oberfläche, Inhalte pflegen ohne Code, riesiges Plugin-Ökosystem – benötigt aber PHP und eine Datenbank. Ideal für Blogs, Shops und Seiten mit vielen Unterseiten.
Fangen Sie im Zweifel statisch an. Der Umstieg auf WordPress ist später jederzeit möglich, umgekehrt macht ein CMS für drei Seiten nur unnötig Arbeit.
Vorbereitung: System und Editor
Bringen Sie zuerst die Paketquellen auf den neuesten Stand:
sudo apt update && sudo apt upgrade
Als Editor eignet sich Visual Studio Code (über die Anwendungsverwaltung als Flatpak oder als .deb von Microsoft). Wer schlanker bleiben will, nimmt Geany:
sudo apt install geany
Weg 1: Statische Website von Hand
Legen Sie einen Projektordner an und eine erste Seite:
mkdir ~/meine-website && cd ~/meine-website
Erstellen Sie darin eine index.html mit einem Grundgerüst (Doctype, <head> mit <meta charset="utf-8"> und Viewport-Tag, <body>). Eine separate style.css binden Sie im <head> per <link rel="stylesheet" href="style.css"> ein.
Zum Testen brauchen Sie keinen echten Webserver – Python ist bei Mint vorinstalliert und startet in einem Befehl einen lokalen Server:
python3 -m http.server 8000
Rufen Sie danach http://localhost:8000 im Browser auf. Änderungen an den Dateien werden nach einem Neuladen der Seite sofort sichtbar.
Wollen Sie mehr als reines HTML – etwa wiederverwendbare Bausteine, Templates oder Markdown – nutzen Sie einen Static-Site-Generator wie Astro, Hugo oder Eleventy. Astro und Eleventy setzen Node.js voraus:
sudo apt install nodejs npm
node -v
Die Version aus den Mint-Paketquellen ist oft älter als von den Tools verlangt. Installieren Sie in dem Fall Node.js über den Version Manager nvm statt über apt – so wählen Sie die Version pro Projekt frei. Hugo dagegen ist ein einzelnes Binary und kommt ganz ohne Node aus. Grundlagen zu Auszeichnung und Layout finden Sie unter HTML und CSS lernen.
Weg 2: WordPress lokal mit dem LAMP-Stack
Für WordPress brauchen Sie den klassischen LAMP-Stack: Linux, Apache, MySQL/MariaDB und PHP. Genau das PHP fehlt in vielen Kurzanleitungen – ohne die passenden PHP-Module zeigt der Browser Ihren Code als Text statt einer Seite.
Apache installieren
sudo apt install apache2
Prüfen Sie mit http://localhost, ob eine Apache-Standardseite erscheint. Falls nicht, starten Sie den Dienst mit sudo systemctl start apache2 und sehen mit sudo systemctl status apache2 nach.
PHP einrichten
sudo apt install php libapache2-mod-php php-mysql php-curl php-gd php-xml php-mbstring
sudo systemctl restart apache2
Ein kurzer Funktionstest: Legen Sie /var/www/html/info.php mit dem Inhalt <?php phpinfo(); an und öffnen Sie http://localhost/info.php. Erscheint die PHP-Infoseite, arbeitet der Interpreter korrekt – löschen Sie die Datei danach wieder, sie verrät zu viel über Ihr System.
Datenbank (MariaDB) einrichten
In den Mint-Quellen ist MariaDB die gängige, zu MySQL kompatible Datenbank:
sudo apt install mariadb-server
sudo mysql_secure_installation
Das zweite Kommando fragt das Entfernen anonymer Nutzer und den Abbau der Testdatenbank ab – bestätigen Sie die sicheren Voreinstellungen. Ein separates Root-Passwort müssen Sie nicht setzen: MariaDB meldet den System-Root unter Mint standardmäßig per unix_socket an, Sie verbinden sich also mit sudo mysql ganz ohne Passwort. Legen Sie danach Datenbank und einen eigenen Benutzer an (nicht root für WordPress verwenden):
sudo mysql
CREATE DATABASE meinewebsite CHARACTER SET utf8mb4 COLLATE utf8mb4_unicode_ci;
CREATE USER 'wpuser'@'localhost' IDENTIFIED BY 'starkes-passwort';
GRANT ALL PRIVILEGES ON meinewebsite.* TO 'wpuser'@'localhost';
FLUSH PRIVILEGES;
EXIT;
WordPress herunterladen und ablegen
cd /tmp
wget https://wordpress.org/latest.tar.gz
tar -xzf latest.tar.gz
sudo rm /var/www/html/index.html
sudo cp -r wordpress/* /var/www/html/
Setzen Sie anschließend Eigentümer und Rechte sauber – Ordner auf 755, Dateien auf 644:
sudo chown -R www-data:www-data /var/www/html/
sudo find /var/www/html/ -type d -exec chmod 755 {} \;
sudo find /var/www/html/ -type f -exec chmod 644 {} \;
Öffnen Sie http://localhost/wp-admin/install.php und tragen Sie Datenbankname (meinewebsite), Benutzer (wpuser) und Passwort ein. WordPress schreibt daraus die wp-config.php und führt die bekannte Fünf-Minuten-Installation durch. Danach pflegen Sie Themes und Plugins bequem über das Dashboard. Details dazu im Beitrag WordPress installieren.
Typische Fehler und Lösungen
- PHP-Code wird als Text angezeigt:
libapache2-mod-phpfehlt oder Apache wurde nach der PHP-Installation nicht neu gestartet. Lösung: Paket nachinstallieren undsudo systemctl restart apache2. - Apache zeigt weiter die Standardseite statt WordPress: Die alte
/var/www/html/index.htmlliegt noch da und wird vorindex.phpausgeliefert. Löschen Sie sie. - „Error establishing a database connection“: Zugangsdaten in
wp-config.phpstimmen nicht, oder die Datenbank läuft nicht. Prüfen mitsudo systemctl status mariadb. - 403 „You don’t have permission“: Falsche Dateirechte oder falscher Eigentümer. Wiederholen Sie die
chown/chmod-Befehle oben. - Port 80 ist belegt: Ein anderer Dienst hört bereits auf dem Port. Den Verursacher finden Sie mit
sudo ss -tlnp | grep :80.
Website online stellen
Lokal getestet, geht es live. Eine statische Seite laden Sie per FTP/SFTP oder Git auf nahezu jeden Webspace – oder kostenlos zu Diensten wie Netlify, Cloudflare Pages oder GitHub Pages. Eine WordPress-Seite braucht beim Hoster PHP und MySQL/MariaDB; die meisten Anbieter richten WordPress per Ein-Klick-Installer ein. Anschließend übertragen Sie Dateien per SFTP und die Datenbank per Export/Import (mysqldump bzw. phpMyAdmin). Eine Gegenüberstellung passender Tarife finden Sie unter Webhosting-Anbieter im Vergleich.
FAQ
Brauche ich unter Linux Mint zwingend Apache? Nein. Apache ist anfängerfreundlich, aber Nginx ist die schlankere, oft schnellere Alternative – gerade bei statischen Seiten oder unter Last. Für ein reines lokales Projekt reicht sogar der eingebaute Python-Server.
Kann ich Windows-Tools wie XAMPP nutzen?
XAMPP gibt es auch für Linux, es bündelt Apache, MariaDB und PHP in einem Verzeichnis. Für Einsteiger, die nichts systemweit installieren wollen, ist das praktisch. Auf Dauer ist die native apt-Installation aber wartungsärmer und näher an einer echten Serverumgebung.
Muss ich MySQL statt MariaDB installieren?
In der Regel nicht. MariaDB ist ein direkter Ersatz für MySQL, spricht dasselbe Protokoll und wird von WordPress, Joomla und Drupal ohne Anpassung akzeptiert. Nur wenn eine Software ausdrücklich Oracle-MySQL verlangt, greifen Sie zum Paket mysql-server.
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