Wem gehört WordPress?
Die Frage hat keine einzelne Antwort, weil drei verschiedene Dinge denselben Namen tragen: die Software, die Marke und die kommerziellen Dienste dahinter. Wer das trennt, versteht auch, warum kein Konzern WordPress einfach abschalten oder verkaufen kann – und warum der Streit um die Kontrolle trotzdem real ist: 2024 hat er offengelegt, wer bei wordpress.org tatsächlich den Stecker ziehen kann.
Die kurze Antwort in drei Ebenen
WordPress ist kein Produkt eines Eigentümers, sondern setzt sich aus drei getrennten Ebenen zusammen:
- Der Code gehört niemandem allein. Er steht unter der GPL (GNU General Public License) und wird von Tausenden Freiwilligen und Firmen gemeinsam entwickelt.
- Die Marke „WordPress” und das Logo gehören der WordPress Foundation, einer gemeinnützigen US-Stiftung.
- Die kommerziellen Dienste rund um wordpress.com betreibt die Firma Automattic Inc. Sie ist ein normales, gewinnorientiertes Unternehmen – nicht die Stiftung.
Diese Dreiteilung ist der Kern der Sache. Alles Weitere sind Details dazu, wer auf welcher Ebene das Sagen hat.
Der Code gehört niemandem – und damit allen
WordPress entstand 2003, als Matt Mullenweg und Mike Little die eingestellte Blog-Software b2/cafelog (ursprünglich von Michel Valdrighi) als sogenannten Fork weiterführten. Von Anfang an stand das Projekt unter der GPL.
Praktisch bedeutet die GPL: Jeder darf WordPress herunterladen, verändern, weitergeben und sogar kommerziell nutzen – solange abgeleitete Werke wieder unter der GPL stehen. Das Urheberrecht an einzelnen Codezeilen liegt bei den jeweiligen Autoren, nicht bei einer zentralen Firma. Genau deshalb kann niemand WordPress „kaufen” oder aus dem Verkehr ziehen. Selbst wenn alle beteiligten Firmen morgen verschwänden, dürfte jeder den letzten frei verfügbaren Stand weiterentwickeln.
Getragen wird die Entwicklung von der Community. Über das Programm Five for the Future ruft die Projektleitung Firmen dazu auf, fünf Prozent ihrer Ressourcen in WordPress zu stecken. Automattic stellte darüber jahrelang mit Abstand die meisten bezahlten Core-Entwickler – nach dem Bruch mit WP Engine kürzte Automattic sein Engagement dann spürbar. Das erklärt einen Teil der Kritik: Ein einzelnes Unternehmen hatte überproportionalen Einfluss auf ein angeblich neutrales Open-Source-Projekt – und konnte diesen Einfluss ebenso schnell wieder zurückfahren, als es ihm nicht mehr passte.
Wie WordPress technisch aufgebaut ist, erklärt der Beitrag Welches Framework nutzt WordPress?.
Die WordPress Foundation und die Marke
Die WordPress Foundation wurde 2010 von Matt Mullenweg als gemeinnützige Organisation (in den USA ein 501(c)(3)) gegründet. Ihr erklärter Zweck ist es, den freien Zugang zu WordPress langfristig zu sichern und die Marke zu schützen.
Der entscheidende Punkt: Automattic übertrug 2010 die Wortmarke „WordPress” an die Stiftung. Seitdem gehört der Stiftung der Name und das Logo – nicht der Code. Das ist der Hebel, mit dem missbräuchliche Nutzung verhindert werden soll. Ein Hosting-Anbieter darf zum Beispiel WordPress installieren und anbieten, aber nicht so auftreten, als wäre er das offizielle WordPress-Projekt. Als Faustregel gilt seit Jahren: Die Endung „WP” ist frei nutzbar, das ausgeschriebene „WordPress” im Firmen- oder Produktnamen dagegen markenrechtlich heikel.
Zwischen Stiftung und Automattic besteht zusätzlich eine Lizenzvereinbarung, die Automattic bestimmte kommerzielle Rechte an der Marke einräumt. Diese Verflechtung ist einer der Gründe, warum Kritiker die Trennung zwischen „neutraler Stiftung” und „Firma” für weniger sauber halten, als sie auf dem Papier aussieht.
Automattic: das Unternehmen dahinter
Automattic Inc. wurde 2005 von Matt Mullenweg gegründet und ist der kommerzielle Motor des Ökosystems. Zum Portfolio gehören unter anderem:
- wordpress.com – gehostetes WordPress mit kostenlosen und kostenpflichtigen Tarifen
- WooCommerce – die Shop-Erweiterung für WordPress
- Jetpack, Akismet (Spamschutz) und Gravatar
- weitere Zukäufe wie Tumblr und Pocket Casts
Automattic verdient Geld mit Hosting, Abonnements und Zusatzdiensten. Das ist völlig legitim, führt aber zur häufigsten Verwechslung: Viele Nutzer glauben, „WordPress” gehöre Automattic. Richtig ist, dass Automattic eine der wichtigsten Firmen im Umfeld ist und die Marke lizenziert nutzt – aber der Software-Kern bleibt Open Source und die Marke liegt bei der Stiftung.
WordPress.org vs. WordPress.com – der praktische Unterschied
Für die meisten Menschen ist genau diese Verwechslung das eigentliche Problem. Zwei Domains, fast gleicher Name, völlig unterschiedliche Rolle:
- WordPress.org ist das Open-Source-Projekt. Hier laden Sie die Software kostenlos herunter, um sie auf eigenem Hosting („selbst gehostet”) zu installieren. Sie haben volle Kontrolle über Themes, Plugins und Code.
- WordPress.com ist ein kommerzielles Hosting-Produkt von Automattic. Sie bekommen WordPress als Service, zahlen je nach Tarif und sind in dem, was Sie technisch dürfen, stärker eingeschränkt.
Wenn Entwickler oder Agenturen von „WordPress” sprechen, meinen sie fast immer die selbst gehostete .org-Variante. Wie lange die Einarbeitung darin realistisch dauert, ordnet der Beitrag Wie viele Tage braucht man, um WordPress zu lernen? ein.
Wer kontrolliert WordPress.org wirklich?
Eine Feinheit, die lange kaum jemanden interessierte, wurde 2024 plötzlich brisant: Die Website und Infrastruktur von wordpress.org gehören nicht der Foundation, sondern werden persönlich von Matt Mullenweg kontrolliert. Im öffentlich ausgetragenen Streit mit dem Hosting-Anbieter WP Engine sperrte Mullenweg dessen Zugang zu den zentralen wordpress.org-Diensten (unter anderem Plugin-Updates) und stellte klar, dass er über diese Plattform allein entscheidet.
Der Vorfall zeigt die Grenze der schönen Dreiteilung: Der Code ist frei, die Marke liegt bei der Stiftung – aber die zentrale Verteilstelle für Updates und Plugins hängt an einer einzelnen Person. Für den Alltag der meisten Websites hatte das keine Folgen; für die Debatte, wie „unabhängig” WordPress wirklich ist, war es ein Wendepunkt.
FAQ
Gehört WordPress zu Google oder Meta? Nein. WordPress ist unabhängig. Der Code ist Open Source unter der GPL, die Marke gehört der gemeinnützigen WordPress Foundation, und die kommerziellen Dienste betreibt Automattic. Keiner der großen Tech-Konzerne besitzt WordPress.
Muss ich für WordPress bezahlen? Die Software von wordpress.org ist kostenlos. Kosten entstehen erst durch Hosting, eine Domain und optional kostenpflichtige Themes oder Plugins. Wer stattdessen wordpress.com nutzt, zahlt je nach Tarif direkt an Automattic – dann ist Hosting im Preis enthalten.
Darf ich „WordPress” im Namen meiner Firma oder Domain verwenden? Das ist markenrechtlich riskant, weil die Foundation die Marke hält. Die verbreitete Faustregel lautet: „WP” ist unproblematisch, das ausgeschriebene „WordPress” im Firmen- oder Produktnamen sollten Sie meiden. Im Zweifel gilt die offizielle Markenrichtlinie der Foundation.