Welches Betriebssystem für Plesk? Linux oder Windows richtig wählen
Plesk läuft sowohl unter Linux als auch unter Windows Server – die Wahl ist aber nicht beliebig. Sie entscheidet über Lizenzkosten, darüber welche Anwendungen Sie überhaupt hosten können und wie viel laufende Wartung anfällt. Und: Das Betriebssystem lässt sich unter einer bestehenden Plesk-Installation nicht einfach umschalten. Dieser Artikel zeigt, welche Systeme Plesk offiziell unterstützt, für wen Linux und für wen Windows die richtige Basis ist – und warum CentOS heute ausscheidet. Am Ende wissen Sie, was Sie beim Bestellen Ihres Servers auswählen.
Linux oder Windows – die Grundsatzentscheidung
Plesk gibt es in zwei Varianten: Plesk für Linux und Plesk für Windows. Die Panel-Oberfläche ist in beiden Fällen nahezu identisch, der Unterbau nicht. Faustregel:
- Linux ist die Standardwahl für WordPress, WooCommerce, Joomla, TYPO3, Laravel und praktisch alles auf PHP/MySQL-Basis. Günstiger (keine Windows-Lizenz), stabiler für den klassischen LAMP/LEMP-Stack, größere Community, mehr Anleitungen.
- Windows Server brauchen Sie nur, wenn Ihre Anwendung Microsoft-Technologie zwingend voraussetzt: ASP.NET / .NET Framework, Microsoft SQL Server, ColdFusion oder Access-Datenbanken.
Für die allermeisten Websites – und für jedes WordPress-Projekt – ist Linux die richtige Wahl. Windows lohnt sich fast ausschließlich dann, wenn eine bestehende .NET-Anwendung mitgehostet werden muss. Prüfen Sie die Frage konkret: Verlangt eine Ihrer Anwendungen ausdrücklich ASP.NET, MS SQL Server oder ColdFusion? Wenn nein, nehmen Sie Linux. Welche Linux-Distribution konkret sinnvoll ist, vertiefen wir im Beitrag Welches Linux für Plesk?.
Von Plesk unterstützte Linux-Distributionen
Plesk (aktuelle Generation „Obsidian”) läuft ausschließlich auf 64-Bit-Systemen. Offiziell unterstützt und getestet sind unter anderem:
- AlmaLinux 8 und 9 – der bevorzugte, binärkompatible CentOS-Nachfolger
- Rocky Linux 8 und 9 – zweiter CentOS-Ersatz, ebenfalls RHEL-kompatibel
- Red Hat Enterprise Linux (RHEL) 8 und 9
- CloudLinux 7, 8 und 9 – beliebt im Shared Hosting wegen LVE-Ressourcenlimits und CageFS
- Ubuntu 20.04, 22.04 und 24.04 – nur die LTS-Versionen, keine Zwischenreleases
- Debian 11 und 12
Wichtig ist die Kombination aus Distribution und Version: Ubuntu wird nur als LTS unterstützt (also 22.04, 24.04 – nicht 23.10), und ältere Distributionsversionen fallen mit jedem Plesk-Update nach und nach aus dem Support. Die tagesaktuelle, verbindliche Matrix pflegt Plesk selbst in den offiziellen Systemanforderungen. Diese wächst kontinuierlich nach oben: Stand Juli 2026 sind dort zusätzlich bereits AlmaLinux 10 und Debian 13 als unterstützt (und jeweils empfohlen) gelistet, während CentOS nur noch in Version 7 aus Alt-Beständen geführt wird. Prüfen Sie vor der Bestellung im Zweifel die Originalquelle: https://docs.plesk.com/release-notes/obsidian/system-requirements/.
Wann Windows Server die richtige Basis ist
Plesk für Windows setzt einen Windows Server voraus. Aktuell werden laut offizieller Anforderungsmatrix Windows Server 2016, 2019, 2022 (von Plesk empfohlen) und 2025 unterstützt (Stand: Juli 2026); ältere Ausgaben wie Windows Server 2012 R2 sind in aktuellen Plesk-Versionen ausgelaufen. Installiert wird ausschließlich auf einer NTFS-Partition, und der Server sollte vorab eine statische IP-Adresse besitzen.
Rechnen Sie bei Windows mit zusätzlichen Kosten: Das Windows-Server-Betriebssystem ist kostenpflichtig lizenziert, entsprechend teurer sind Windows-VPS bei den meisten Anbietern. Wählen Sie Windows also nur, wenn Sie eine der oben genannten Microsoft-Technologien wirklich benötigen. Ein reines WordPress- oder WooCommerce-Projekt auf Windows zu betreiben bringt keinen Vorteil, aber höhere Kosten und gelegentliche PHP-Eigenheiten (Pfadtrennzeichen, Dateirechte, Performance).
Systemanforderungen kurz gefasst
Unabhängig vom Betriebssystem gilt: mehr RAM und schnelle SSD/NVMe-Speicher zahlen sich sofort in der Panel- und Website-Performance aus. Als grobe Orientierung:
- CPU/Architektur: 64-Bit (x86-64) zwingend
- RAM: unter Linux praxistauglich ab ca. 2 GB, unter Windows eher ab 4 GB; für WordPress mit Datenbank, Mailserver und mehreren Domains gern mehr
- Festplatte: unter Linux mindestens 20 GB, unter Windows mindestens 32 GB frei allein für System und Plesk, plus Platz für Websites, Datenbanken und Backups
Die offiziellen Mindestwerte von Plesk liegen dabei niedriger als der Praxisbedarf (Stand: Juli 2026): Für Linux genügen formal 1 GB RAM (plus 1 GB Swap) und 20 GB Festplatte, für Windows 2 GB RAM und 32 GB Festplatte. Das sind jedoch absolute Untergrenzen für den Betrieb des Panels selbst – für WordPress samt Datenbank, Mailserver und mehreren Domains sollten Sie deutlich großzügiger planen. Wer abschätzen möchte, was ein eigener Server insgesamt kostet, findet Zahlen im Beitrag Wie viel kostet ein eigener Webserver?.
CentOS ist ausgelaufen – was jetzt?
CentOS war jahrelang die naheliegende Wahl für Plesk – das ist vorbei. CentOS Linux 8 wurde bereits Ende 2021 eingestellt, CentOS Linux 7 hat am 30. Juni 2024 sein Support-Ende erreicht. Danach gibt es keine Sicherheitsupdates mehr – ein CentOS-Server ist heute ein Sicherheitsrisiko und keine Neuinstallation wert.
Der saubere Weg für bestehende CentOS-7-Server ist die Migration nach AlmaLinux. Plesk stellt dafür das Werkzeug centos2alma bereit, das eine bestehende CentOS-7-Installation an Ort und Stelle nach AlmaLinux 8 konvertiert – als Root ausgeführt, mit spürbarer Downtime während der Konvertierung. Legen Sie vorher zwingend ein vollständiges Backup oder einen VPS-Snapshot an: Eine In-Place-Konvertierung ist nicht per Klick rückgängig zu machen, und ohne Snapshot gibt es bei einem Abbruch keinen sicheren Rückweg. Für Neuprojekte umgehen Sie den ganzen Umweg und wählen direkt AlmaLinux 9 oder Rocky Linux 9 – beide sind binärkompatibel zu RHEL und damit die natürlichen Nachfolger von CentOS.
Typische Fehler bei der OS-Wahl
- CentOS 7 (oder 8) neu aufsetzen. Keine Updates mehr – stattdessen AlmaLinux oder Rocky Linux nehmen.
- Nicht-LTS-Ubuntu wählen. Plesk unterstützt nur die LTS-Ausgaben; ein Zwischenrelease bekommt keinen Support.
- 32-Bit-System installieren. Plesk läuft ausschließlich auf 64 Bit.
- Windows „aus Gewohnheit” wählen. Ohne .NET- oder MS-SQL-Bedarf zahlen Sie nur mehr für Lizenzen.
- Nachträglicher OS-Wechsel geplant. Das Betriebssystem lässt sich unter einer laufenden Plesk-Installation nicht umschalten. Ein Wechsel bedeutet neuen Server aufsetzen und die Websites per Plesk-Migrator umziehen – deshalb die Wahl von Anfang an bewusst treffen.
FAQ
Kann ich das Betriebssystem später wechseln, etwa von Linux auf Windows? Nicht innerhalb derselben Installation. Sie richten einen neuen Server mit dem gewünschten OS ein und migrieren die Abonnements mit dem Plesk-Migrator (Tools & Einstellungen → Migration & Transfer Manager) auf das neue System. Planen Sie das OS deshalb vor der ersten Installation.
Läuft WordPress besser unter Linux oder Windows? Unter Linux. WordPress ist eine PHP/MySQL-Anwendung und wird für den LAMP/LEMP-Stack entwickelt und getestet. Linux ist günstiger, verbreiteter und liefert für WordPress die vorhersagbarere Performance. Windows bringt hier keinen Vorteil.
Ist CentOS noch eine sinnvolle Wahl für Plesk?
Nein. CentOS Linux 7 und 8 sind ausgelaufen und erhalten keine Sicherheitsupdates mehr. Für neue Server nehmen Sie AlmaLinux oder Rocky Linux, bestehende CentOS-7-Systeme migrieren Sie mit centos2alma nach AlmaLinux.
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