Vince Gilligans „Pluribus“ und die KI-Debatte im Abspann

Technik

Im Abspann von „Pluribus“ steht ein Satz, den man sonst nirgends findet: „This show was made by humans.“ Vince Gilligan, Schöpfer von „Breaking Bad“, hat ihn bewusst dort platziert – direkt neben dem Hinweis, dass bei den Dreharbeiten keine Tiere zu Schaden kamen. Wer verstehen will, warum ein Abspann-Vermerk zum Politikum wird, wo die Serie läuft und ob sie sich lohnt, findet hier die Fakten – ohne Spoiler zur Auflösung.

Worum es in „Pluribus“ geht

„Pluribus“ ist eine Science-Fiction-Serie von Vince Gilligan. Im Zentrum steht Carol Sturka, gespielt von Rhea Seehorn (bekannt als Kim Wexler aus „Better Call Saul“). Carol ist eine erfolgreiche Autorin in Albuquerque – und eine von nur 13 Menschen weltweit, die gegen ein außerirdisches Virus immun sind.

Das Virus verwandelt die restliche Menschheit in einen friedlichen, glücklichen Schwarm-Verstand, im Original „the Others“ genannt. Diese kollektive Intelligenz ist freundlich, erfüllt den Immunen jeden Wunsch – kündigt aber offen an, dass sie Carol und die anderen Nicht-Infizierten am Ende ebenfalls assimilieren wird. Die Prämisse dreht das klassische Endzeit-Szenario um: Nicht Chaos und Gewalt bedrohen die Heldin, sondern eine allzu perfekte, allzu zufriedene Harmonie. Carol sucht nach einem Weg, die Verwandlung rückgängig zu machen.

Mit „Pluribus“ kehrt Gilligan erstmals seit „The X-Files“ zur reinen Science-Fiction zurück. Hinter der Kamera arbeitet weitgehend dasselbe Team wie bei „Breaking Bad“ und „Better Call Saul“ – darunter die Produzenten Gordon Smith, Alison Tatlock und Diane Mercer. Diese personelle Kontinuität ist kein Zufall, sondern Teil der Botschaft: Handwerk und eingespielte menschliche Zusammenarbeit statt austauschbarer Produktion.

Wo und wie Sie „Pluribus“ sehen können

Die Serie läuft exklusiv beim Streamingdienst Apple TV+. Staffel 1 startete am 7. November 2025 mit den ersten beiden Folgen; die restlichen Episoden erschienen wöchentlich freitags. Insgesamt umfasst die erste Staffel neun Folgen.

Ungewöhnlich ist der Vorlauf für Staffel 2: Apple hatte bereits im September 2022 – mehr als drei Jahre vor der Premiere – einen Straight-to-two-Season-Order erteilt. Die Fortsetzung stand also fest, bevor auch nur eine Folge gedreht war, ein deutliches Vertrauenssignal an Gilligans Team. Einen Starttermin gibt es trotzdem noch nicht: Hauptdarstellerin Rhea Seehorn erklärte öffentlich, selbst sie wisse nicht, wann die Dreharbeiten zu Staffel 2 beginnen; Branchenmedien rechnen wegen der langen Produktionszeit von Staffel 1 nicht vor 2027 oder 2028 mit neuen Folgen.

Praktischer Hinweis: Apple TV+ ist über die Apple-TV-App verfügbar – auf iPhone, iPad, Apple TV, Smart-TVs vieler Hersteller, per Browser sowie über Streaming-Sticks. Ein Apple-Gerät ist nicht zwingend nötig. Wer ohnehin überlegt, welche Plattformen sich lohnen, findet in unserem Überblick zu neuen Streaming-Diensten und -Technologien weitere Orientierung.

Der Abspann-Satz und Gilligans Haltung zu KI

Der eigentliche Aufreger ist der Schlusshinweis „This show was made by humans.“ Gilligan hat in Interviews (unter anderem gegenüber Variety) unmissverständlich klargemacht, was er von generativer KI hält. Seine Kernaussagen:

  • „I hate AI.“ – Ich hasse KI.
  • KI sei „die teuerste und energieintensivste Plagiatsmaschine der Welt“ (im Original: the world’s most expensive and energy-intensive plagiarism machine).
  • KI-Ergebnisse verglich er mit „einer wiederkäuenden Kuh – eine endlos wiederholte Schleife aus Unsinn“.

Wichtig für die Einordnung: Gilligan betont selbst, dass die Idee zu „Pluribus“ rund acht Jahre alt ist – also lange vor dem KI-Boom entstand. Die Serie ist somit keine Parabel über ChatGPT und Co. Der „Others“-Schwarm ist kein verkapptes KI-Symbol, auch wenn die Parallele – ein bequemer Kollektivverstand, der individuelle Kreativität einebnet – naheliegt. Der Abspann-Vermerk und die inhaltliche Prämisse sind zwei getrennte Dinge, die medial oft in einen Topf geworfen werden.

Warum das über eine einzelne Serie hinausreicht

Gilligans Statement fällt in eine aufgeladene Phase. Bei den Streiks der Drehbuchautoren-Gewerkschaft WGA und der Schauspiel-Gewerkschaft SAG-AFTRA 2023 war der Umgang mit KI einer der zentralen Streitpunkte – am Ende wurden erstmals konkrete Schutzregeln in die Tarifverträge geschrieben, etwa zur Einwilligung bei digitalen Abbildern von Darstellern. Parallel laufen mehrere Urheberrechtsklagen gegen KI-Anbieter, weil deren Modelle mit geschütztem Material trainiert wurden.

Genau hier setzt Gilligans Wortwahl an: „Plagiatsmaschine“ ist keine bloße Beleidigung, sondern die Zuspitzung eines juristischen Vorwurfs – nämlich dass generative Systeme aus fremden Werken zusammensetzen, ohne die Urheber zu vergüten. Dazu kommt ein zweiter Vorwurf, der über Urheberrecht hinausgeht: Gilligan bezeichnete die Branche hinter dem KI-Boom als eine Ansammlung von „centibillionaires“, deren eigentliches Ziel es sei, als Erste die Marke von einer Billion Dollar Privatvermögen zu knacken – im Kern verkauften sie „a bag of vapor“, zu Deutsch etwa: heiße Luft. Ob ein Abspann-Label die Debatte löst, ist offen. Als Signal an Kolleginnen und Kollegen, die eigene Arbeit sichtbar von KI-Produktion abzugrenzen, funktioniert es aber. Wer die technische Seite dahinter besser verstehen will, findet in unserem Beitrag Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz? eine sachliche Einordnung.

Lohnt sich die Serie?

Kurz: Wer „Breaking Bad“ und „Better Call Saul“ wegen der langsamen Spannung, der starken Bildsprache und der präzisen Figurenzeichnung mochte, wird auch bei „Pluribus“ fündig. Rhea Seehorn trägt die Serie fast im Alleingang – und wurde dafür nicht nur von Kritikerinnen und Kritikern gelobt, sondern auch ausgezeichnet: Bei den Golden Globes 2026 gewann sie als beste Hauptdarstellerin in einer Dramaserie, bei den Critics’ Choice Awards in derselben Kategorie ebenfalls. Wer schnelle Action erwartet, sollte wissen, dass Gilligan bewusst entschleunigt erzählt. Der oben genannte Abspann-Satz ist dabei ein Detail am Rande – kein Grund, die Serie zu sehen oder zu meiden, aber ein aufschlussreicher Hinweis auf die Haltung dahinter.

FAQ

Wurde „Pluribus“ wirklich komplett ohne KI produziert? Der Abspann sagt „made by humans“, und Gilligan betont seine Ablehnung generativer KI öffentlich. Eine unabhängige, technische Prüfung jedes Produktionsschritts gibt es naturgemäß nicht – die Aussage ist ein bewusstes Bekenntnis des Teams, kein Zertifikat.

Ist die Serie eine Allegorie auf künstliche Intelligenz? Nein, jedenfalls nicht als Absicht. Gilligan datiert die Grundidee auf etwa acht Jahre vor Serienstart, also vor dem KI-Boom. Der friedliche Schwarm-Verstand lädt zwar zu KI-Deutungen ein, war aber nicht als solche angelegt.

Muss ich „Breaking Bad“ oder „Better Call Saul“ kennen? Nein. „Pluribus“ erzählt eine eigenständige Geschichte in einem anderen Genre. Vorwissen ist nicht nötig; wer die früheren Serien kennt, erkennt lediglich Handschrift und wiederkehrende Namen im Team.