Synology Website erstellen: NAS als Webserver einrichten
Synology als Webserver: Website erstellen und selbst hosten
Eine Synology NAS kann mehr als Dateien sichern: Mit dem kostenlosen Paket Web Station wird sie zum vollwertigen Webserver mit Apache oder Nginx, PHP und MariaDB. Wer ohnehin eine DiskStation im Netzwerk hat, spart sich damit die monatliche Hosting-Gebühr und behält die volle Kontrolle über seine Daten. Nach dieser Anleitung setzen Sie unter DSM 7 eine statische Seite oder eine WordPress-Installation auf, bringen sie über DDNS und Portfreigabe ins Internet und sichern sie per SSL-Zertifikat ab – und wissen, wo die realen Grenzen des Selbst-Hostings liegen.
Was Sie vorab brauchen
- Eine Synology NAS mit installiertem DiskStation Manager (DSM), Version 7.x.
- Admin-Zugang zum DSM.
- Einen Router, auf dem Sie Portfreigaben setzen dürfen.
- Optional für dynamische Seiten: etwas Geduld mit PHP- und Datenbank-Konfiguration.
Modell-Tipp: Für eine kleine Website reicht ein Modell der Plus-Serie mit Zwei-Kern-CPU (etwa DS220+ oder DS224+) locker aus. Entscheidend ist weniger die CPU als der Upload Ihres Internetanschlusses – dazu weiter unten mehr.
Web Station und PHP installieren
In DSM 7 sind Webserver und PHP nicht mehr fest eingebaut, sondern getrennte Pakete. Öffnen Sie das Paket-Zentrum und installieren Sie:
- Web Station – die Verwaltungsoberfläche für Portale und Backend-Server.
- Einen HTTP-Server: Apache HTTP Server 2.4 oder Nginx. Für WordPress ist Apache mit dem Modul
mod_rewritedie einfachere Wahl. - PHP in der passenden Version (z. B. PHP 8.2). Für WordPress aktivieren Sie in den PHP-Einstellungen die Erweiterungen
mysqli,curl,gdundmbstring.
Beim ersten Start legt Web Station automatisch den freigegebenen Ordner web an – das ist der Dokument-Stamm unter dem Pfad /volume1/web. Alles, was Sie dort ablegen, wird ausgeliefert.
Website oder Portal anlegen
Öffnen Sie Web Station → Web-Portal (in älteren Versionen „Virtueller Host”). Ein Portal verbindet eine Adresse mit einem Ordner und einem Backend. Beim Anlegen wählen Sie:
- Portaltyp: namensbasiert (eigene Domain/DDNS-Adresse), portbasiert (z. B. Port 8080) oder aliasbasiert (
ihre-nas/blog). - Dokument-Stamm: der Ordner mit Ihren Dateien, etwa
web/meineseite. - HTTP-Backend und PHP-Version: hier Apache und Ihre installierte PHP-Version zuweisen.
Für eine statische Seite legen Sie einfach eine index.html in den gewählten Ordner. Rufen Sie die Seite testweise im lokalen Netz über die NAS-IP auf, bevor Sie sie nach außen öffnen. Reines HTML, CSS und JavaScript editieren Sie mit einem Editor wie VS Code und laden die Dateien per File Station oder SMB-Netzlaufwerk hoch.
WordPress auf der Synology installieren
Für ein CMS brauchen Sie zusätzlich eine Datenbank. Installieren Sie aus dem Paket-Zentrum MariaDB 10 und phpMyAdmin.
- In phpMyAdmin (oder über MariaDB) eine leere Datenbank anlegen, z. B.
wordpress, plus einen eigenen Datenbank-Benutzer mit Passwort – nicht den root-Zugang verwenden. - WordPress von wordpress.org herunterladen, entpacken und den Inhalt in Ihren Portal-Ordner (
web/meineseite) kopieren. - Portal-Adresse im Browser aufrufen; der WordPress-Installer fragt Datenbankname, Benutzer, Passwort und Host (
localhost) ab. - Installation abschließen, Admin-Konto anlegen.
Typische Fehler:
- „Verbindung zur Datenbank fehlgeschlagen” – fast immer ein Host- oder Port-Problem. WordPress erwartet als Host
localhost, doch das MariaDB-10-Paket auf der Synology lauscht nicht zwingend auf dem Standard-Port 3306. Tragen Sie dannlocalhost:PORTein (etwalocalhost:3307) oder stellen Sie MariaDB in den Paket-Einstellungen auf 3306 um. - Permalinks führen zu 404 – im Apache-Backend
mod_rewriteaktivieren und in WordPress unter Einstellungen → Permalinks neu speichern. - Weiße Seite – oft eine fehlende PHP-Erweiterung; in den PHP-Profileinstellungen von Web Station nachaktivieren.
Alternativ lässt sich WordPress über den Container Manager (Docker) als isolierten Container betreiben. Das trennt die Website sauber vom DSM und erleichtert Updates, verlangt aber Grundwissen zu Docker-Volumes und Ports. Der ältere WordPress-Eintrag direkt im Paket-Zentrum ist oft veraltet.
Details zur reinen WordPress-Seite finden Sie unter WordPress installieren.
Die Website ins Internet bringen
Im Heimnetz läuft die Seite jetzt. Damit sie öffentlich erreichbar ist, brauchen Sie drei Dinge:
1. Feste Adresse per DDNS. Private Anschlüsse bekommen meist eine wechselnde IP. Synology bietet kostenloses DDNS: Systemsteuerung → Externer Zugriff → DDNS, einen Namen wie ihrname.synology.me registrieren.
2. Portfreigabe im Router. Leiten Sie die Ports 80 (HTTP) und 443 (HTTPS) auf die NAS weiter. Wichtig: DSM selbst nutzt 5000/5001, Web-Portale die Standard-Webports – kollidieren tut hier nichts, solange Sie das DSM-Login nicht auf 80/443 legen.
3. SSL-Zertifikat. Unter Systemsteuerung → Sicherheit → Zertifikat holen Sie sich ein kostenloses Let’s-Encrypt-Zertifikat und weisen es Ihrer DDNS-Domain zu. DSM erneuert es automatisch. Ein SSL-Zertifikat ist heute Pflicht – ohne HTTPS zeigen Browser eine deutliche „Nicht sicher”-Warnung an, und fehlendes HTTPS wirkt sich als negatives Ranking-Signal aus. Grundlagen dazu: SSL-Zertifikat mit Let’s Encrypt.
Betreiben Sie mehrere Dienste auf Port 443, hilft der Reverse Proxy in DSM (Systemsteuerung → Anmeldeportal → Erweitert → Reverse Proxy), der Anfragen nach Hostname verteilt.
Häufige Stolpersteine beim Self-Hosting
Bevor Sie eine geschäftskritische Seite auf die NAS legen, kennen Sie diese Hürden:
- CGNAT. Viele Anschlüsse (vor allem Kabel und Mobilfunk) teilen sich eine öffentliche IP über Carrier-Grade NAT. Dann funktioniert keine Portfreigabe. Abhilfe: eine echte öffentliche IPv4 beim Provider anfragen oder einen Cloudflare Tunnel bzw. einen kleinen VPS als Reverse-Proxy davorschalten.
- Gesperrte Ports. Manche Provider blockieren eingehenden Port 80/443 auf Privatanschlüssen. Ein Blick in die Vertragsbedingungen oder ein kurzer Test von außen klärt das.
- Upload-Bandbreite. Ihre Seite ist nur so schnell wie Ihr Upload. 40 Mbit Download nützen wenig, wenn nur 10 Mbit hochgehen – bei mehreren gleichzeitigen Besuchern wird es zäh.
- Verfügbarkeit und Sicherheit. Eine NAS zu Hause fällt bei Stromausfall oder Router-Neustart aus. Und ein ins Internet geöffnetes Gerät ist ein Angriffsziel: Halten Sie DSM aktuell, aktivieren Sie die Firewall und die automatische IP-Blockierung nach Fehlversuchen (Systemsteuerung → Sicherheit).
Wann sich die Synology als Webserver lohnt
Ideal ist das Setup für private Projekte, Testumgebungen, interne Tools, Familien-Blogs oder Portfolios mit überschaubarem Traffic. Sie sparen Hosting-Kosten und lernen viel über Webtechnik. Für einen Online-Shop oder eine geschäftskritische Firmenseite ist geteiltes oder verwaltetes Hosting meist die klügere Wahl: garantierte Erreichbarkeit, Backups, DDoS-Schutz und kein Klumpenrisiko am heimischen Router. Eine Zwischenlösung: die Seite auf der NAS entwickeln und produktiv bei einem Hoster laufen lassen.
FAQ
Kann ich mit einer Synology NAS eine öffentliche Website ohne feste IP betreiben?
Ja. Registrieren Sie eine kostenlose DDNS-Adresse (name.synology.me) unter Externer Zugriff → DDNS. Sie verweist immer auf Ihre aktuelle IP. Nur bei CGNAT-Anschlüssen funktioniert das nicht ohne Tunnel oder vorgeschalteten Proxy.
Brauche ich für WordPress zwingend eine Datenbank? Ja, WordPress speichert Inhalte in einer MySQL-/MariaDB-Datenbank. Installieren Sie dafür das Paket MariaDB 10; zur Verwaltung ist phpMyAdmin praktisch. Statische HTML-Seiten kommen dagegen ganz ohne Datenbank aus.
Ist eine selbst gehostete NAS-Website DSGVO-konform? Sie kann es sein. Pflicht sind ein gültiges SSL-Zertifikat (HTTPS), eine korrekte Datenschutzerklärung und ein Cookie-Consent, sobald nicht-essenzielle Cookies oder externe Dienste zum Einsatz kommen. Technisch verschafft Ihnen das Self-Hosting sogar Vorteile, weil die Daten auf Ihrer eigenen Hardware in der EU bleiben.
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