Synology Web Station: Eigene Website auf dem NAS erstellen

Website erstellen

Ein Synology NAS kann mehr als Dateien sichern: Mit dem Paket Web Station wird es zum vollwertigen Webserver. Nach dieser Anleitung läuft auf Ihrem NAS eine eigene WordPress-Website – erreichbar über Ihre Domain, verschlüsselt per HTTPS. Dafür richten Sie Web Station, ein PHP-Profil und eine MariaDB-Datenbank ein, installieren WordPress und stellen die Seite per DDNS und Let’s Encrypt online. Die typischen Stolpersteine – Berechtigungen, Datenbankverbindung, DS-Lite – lösen wir am Ende gezielt.

Was Sie brauchen

  • Ein Synology NAS mit DSM 7.0 oder neuer (DSM 7.2 empfohlen).
  • Genug freien Speicher auf einem Volume und einen Admin-Account.
  • Für den Zugriff von außen: einen Router, an dem Sie Portweiterleitungen setzen dürfen, und idealerweise eine eigene Domain.

Wichtig vorab: Consumer-NAS mit ARM-CPU (z. B. die J-Serie) reichen für eine kleine, besucherarme Seite. Für WooCommerce-Shops oder Seiten mit viel Traffic ist ein Modell mit Intel-/AMD-Prozessor und ausreichend RAM sinnvoll. Was echtes Server-Hosting kostet, ordnet der Beitrag Wie viel kostet ein eigener Webserver? ein.

Web Station installieren

Web Station ist kein fester DSM-Bestandteil, sondern ein Paket.

  1. Öffnen Sie das Paket-Zentrum in DSM.
  2. Suchen Sie nach Web Station und klicken Sie auf Installieren.
  3. Beim ersten Start installiert Web Station automatisch einen Webserver-Unterbau. In DSM 7 fungiert Nginx als Front-Server; Apache HTTP Server 2.4 lässt sich zusätzlich als Backend installieren, falls Sie .htaccess-Regeln brauchen (WordPress-Permalinks etwa laufen mit beiden).

Nach der Installation liegt der Standard-Dokumentenstamm im freigegebenen Ordner web (Pfad: /volume1/web). Alles, was Sie dort ablegen, ist die Basis Ihrer Website.

PHP-Profil anlegen

Damit dynamische Anwendungen wie WordPress laufen, brauchen Sie ein PHP-Profil mit den passenden Erweiterungen. In DSM 7 heißt der Bereich Script Language Settings (bzw. „Skriptsprache-Einstellungen“).

  1. In Web Station links zu Script Language Settings › PHP wechseln und ein Profil Erstellen.
  2. Eine PHP-Version wählen. WordPress läuft stabil mit PHP 8.1 bis 8.3.
  3. Unter Erweiterungen mindestens mysqli, pdo_mysql, curl, gd, mbstring, openssl und zip aktivieren – ohne mysqli scheitert später die Datenbankverbindung.
  4. Bei Core die Werte für upload_max_filesize und post_max_size erhöhen (z. B. 64M), sonst brechen Medien-Uploads ab.

Web-Portal (virtuellen Host) einrichten

In DSM 7 hat der frühere „virtuelle Host“ zwei Bausteine: ein Web-Service (Was wird ausgeliefert – Dokumentenstamm und PHP-Profil) und ein Web-Portal (Wie wird es erreicht – über Namen, Port oder Alias).

  1. In Web Station zu Web-Service gehen, Erstellen klicken und den Typ PHP wählen.
  2. Als Dokumentenstamm einen Unterordner in web wählen, etwa web/meineseite.
  3. Das eben angelegte PHP-Profil zuweisen und als HTTP-Backend Apache oder Nginx festlegen.
  4. Danach unter Web-Portal ein Portal erstellen und mit dem Service verknüpfen. Name-based nutzt Ihren Domainnamen (z. B. www.beispiel.de), Port-based einen eigenen Port für Tests.

Datenbank mit MariaDB und phpMyAdmin

WordPress und die meisten CMS brauchen eine SQL-Datenbank.

  1. Im Paket-Zentrum MariaDB 10 installieren. Sie läuft standardmäßig auf Port 3306; setzen Sie in den Paket-Einstellungen ein Root-Passwort.
  2. Zusätzlich phpMyAdmin installieren – die Weboberfläche zum Verwalten der Datenbanken.
  3. In phpMyAdmin eine neue Datenbank (Kollation utf8mb4_unicode_ci) sowie einen eigenen Datenbank-Benutzer mit Rechten nur auf diese Datenbank anlegen. Nutzen Sie nicht den Root-Account für die Website.

Notieren Sie sich Datenbankname, Benutzer und Passwort – diese drei Werte braucht der WordPress-Installer.

WordPress installieren

Es gibt zwei Wege. Der manuelle Weg ist der zuverlässigere und aktuellere:

  1. WordPress in Deutsch von de.wordpress.org herunterladen und entpacken.
  2. Den Inhalt in Ihren Dokumentenstamm hochladen (per File Station oder SMB, z. B. nach /volume1/web/meineseite).
  3. Die Website im Browser aufrufen. Der WordPress-Assistent fragt die Datenbankdaten ab. Als Datenbank-Host funktioniert meist localhost; falls nicht, 127.0.0.1:3306 eintragen.
  4. Assistent durchlaufen, Admin-Konto anlegen – fertig.

Alternativ bietet Synology teils ein WordPress-Paket im Paket-Zentrum, das PHP, Datenbank und Dateien gebündelt einrichtet. Das ist bequemer, hinkt bei der WordPress-Version aber oft hinterher. Wie schnell man sich in WordPress einarbeitet, schätzt der Beitrag Wie viele Tage braucht man, um WordPress zu lernen? ein.

Von außen erreichbar machen

Im Heimnetz läuft die Seite jetzt – für echte Besucher fehlen drei Dinge:

  • DDNS einrichten: Unter Systemsteuerung › Externer Zugriff › DDNS einen kostenlosen Hostnamen ihrname.synology.me anlegen. Er verweist immer auf Ihre wechselnde Heim-IP.
  • Portweiterleitung im Router: Die Ports 80 (HTTP) und 443 (HTTPS) auf die interne IP des NAS weiterleiten.
  • HTTPS-Zertifikat: Unter Systemsteuerung › Sicherheit › Zertifikat ein kostenloses Let’s Encrypt-Zertifikat für Ihre Domain anfordern. Voraussetzung: Die Domain zeigt auf Ihre IP und Port 80 ist von außen erreichbar.

Für eine eigene Domain (statt der synology.me-Adresse) setzen Sie beim Domain-Anbieter einen A-Record auf Ihre IP oder einen CNAME auf den DDNS-Namen. Wenn mehrere Dienste über Port 443 laufen sollen, hilft der Reverse Proxy unter Systemsteuerung › Anmeldeportal › Erweitert.

Typische Fehler und Lösungen

  • 403 Forbidden: Der Systembenutzer http hat keine Leserechte auf den Web-Ordner. In File Station die Ordnerberechtigung für die Gruppe http auf „Lesen“ setzen.
  • PHP-Code wird im Browser angezeigt statt ausgeführt: Dem Web-Service ist kein PHP-Profil zugewiesen oder der Handler passt nicht. Zuweisung im Web-Service prüfen.
  • „Fehler beim Aufbau der Datenbankverbindung“: Falscher Host, oder mysqli fehlt im PHP-Profil. localhost bzw. 127.0.0.1:3306 testen und die Erweiterung nachinstallieren.
  • Let’s Encrypt schlägt fehl: Port 80 ist nicht durchgereicht oder der DDNS-Name löst nicht auf. Häufigste Ursache in Deutschland: DS-Lite/CGNAT – viele Anschlüsse haben keine öffentliche IPv4-Adresse, dann funktioniert eingehender Zugriff nur über Umwege (IPv6 oder ein Tunnel-Dienst). Fragen Sie im Zweifel Ihren Provider nach einer echten IPv4.

Sicherheit und Wartung

Ein NAS am offenen Internet ist ein Angriffsziel. Pflichtprogramm:

  • Updates: DSM, Web Station, PHP-Paket, WordPress-Core, Themes und Plugins aktuell halten.
  • Backups: Mit Hyper Backup regelmäßig Website-Dateien und Datenbank sichern – am besten auf ein zweites Ziel außer Haus.
  • Absicherung: In der Systemsteuerung die Firewall aktivieren, den Auto-Block bei Fehlanmeldungen einschalten und den DSM-Admin-Port nicht nach außen öffnen.

Wer diesen Aufwand nicht selbst tragen will, für den ordnet Was heißt intelligentes Hosting? ein, was gemanagte Alternativen leisten.

FAQ

Kann ich mehrere Websites auf einem NAS hosten? Ja. Legen Sie pro Seite einen eigenen Web-Service (mit eigenem Dokumentenstamm) und ein name-basiertes Web-Portal an. So laufen mehrere Domains parallel auf demselben NAS.

Brauche ich eine feste IP-Adresse? Nein. Der DDNS-Dienst gleicht wechselnde Heim-IPs aus. Problematisch wird es nur bei DS-Lite/CGNAT ohne öffentliche IPv4 – dann ist eingehender Zugriff eingeschränkt und Sie brauchen IPv6 oder einen Tunnel.

Ist ein NAS als Webserver DSGVO-konform? Grundsätzlich ja – die Daten liegen bei Ihnen. Sie tragen dann aber die volle Verantwortung für Updates, Verschlüsselung (HTTPS), Zugriffsschutz und Backups. Ohne konsequente Wartung ist ein selbst gehostetes NAS eher unsicherer als professionelles Hosting.