Rad Power Bikes: CPSC warnt vor Brandrisiko bei E-Bike-Akkus
Die US-Verbraucherschutzbehörde CPSC (Consumer Product Safety Commission) hat am 24. November 2025 eine ungewöhnlich scharfe Warnung veröffentlicht: Besitzer bestimmter Lithium-Ionen-Akkus des E-Bike-Herstellers Rad Power Bikes sollen die Batterien sofort aus dem Rad nehmen und nicht mehr verwenden. Grund sind 31 gemeldete Brände. Das Besondere an dem Fall: Es gibt keinen klassischen Rückruf, weil sich Hersteller und Behörde nicht auf eine gemeinsame Lösung einigen konnten. Ob Sie betroffen sind, entscheidet nicht der Name Ihres Rades, sondern die Modellnummer auf dem Akku — die drei kritischen Nummern und die richtigen Schritte zu Nutzungsstopp, Lagerung und Entsorgung finden Sie weiter unten.
Was die CPSC-Warnung konkret sagt
Betroffen sind drei Akku-Modellnummern: RP-1304, RAD-S1304Y und HL-RP-S1304. Die Nummer steht auf einem Aufkleber auf der Rück- bzw. Unterseite des Akkus. Prüfen Sie genau diesen Aufkleber, nicht das Typenschild am Rahmen — nur die Akku-Nummer entscheidet, ob Sie betroffen sind.
Die CPSC formuliert das Risiko drastisch: Die Akkus könnten sich „unerwartet entzünden und explodieren” und stellten eine Gefahr für schwere Verletzungen bis hin zum Tod dar. Besonders kritisch werde es, wenn der Akku oder der Kabelbaum (das Harness) mit Wasser und Schmutz in Kontakt gekommen sei. Ein wichtiger Punkt für die Einordnung: Ein Teil der gemeldeten Brände ist nicht beim Laden entstanden, sondern während der Akku ungenutzt gelagert wurde. Das Risiko besteht also nicht nur am Ladegerät.
In Zahlen: Die Behörde kennt 31 Brandmeldungen, davon 12 mit Sachschäden in Höhe von zusammen rund 734.500 US-Dollar. Personenschäden werden in der Meldung nicht beziffert, das grundsätzliche Verletzungs- und Lebensrisiko wird aber ausdrücklich genannt.
Welche E-Bikes und Akkus betroffen sind
Die fraglichen Akkus wurden sowohl mit kompletten E-Bikes als auch einzeln als Ersatzakku verkauft. Laut CPSC gehören dazu unter anderem folgende Modelle:
- RadWagon 4
- RadCity HS 4
- RadRover High Step 5
- RadCity Step Thru 3
- RadRover Step Thru 1
- RadRunner 2
- RadRunner 1
- RadRunner Plus
- RadExpand 5
Verkauft wurden die Räder und Ersatzakkus in den USA über die Hersteller-Website RadPowerBikes.com, in Best-Buy-Filialen sowie über unabhängige Fahrradhändler — Ersatzakkus einzeln für rund 550 US-Dollar, komplette Räder mit eingebautem Akku für 1.500 bis 2.000 US-Dollar. Besitzen Sie eines dieser Räder, schauen Sie nicht nur auf den Modellnamen des Bikes, sondern prüfen Sie die Modellnummer direkt auf dem Akku — entscheidend ist die Nummer auf dem Aufkleber, nicht der Name des Rades.
Was Rad Power Bikes dazu sagt
Der Hersteller Rad Power Bikes Inc. aus Seattle widerspricht der CPSC-Darstellung deutlich. Das Unternehmen erklärte, es stehe „voll und ganz hinter” seinen Akkus und ihrer Sicherheit, und bezog die Vorfallquote auf eigene Verkaufszahlen: Bei über 100.000 verkauften Akkus ergäben 31 gemeldete Brände „einen Bruchteil eines Prozents” — rechnerisch rund 0,03 Prozent. Einem umfassenden Rückruf hat der Hersteller nicht zugestimmt. Aus Sicht der CPSC bedeutet das: Die Firma habe sich geweigert, einem akzeptablen Rückruf zuzustimmen — deshalb der ungewöhnliche Schritt einer einseitigen Behördenwarnung ohne begleitende Rückrufaktion.
Rad Power verweist auf seine finanzielle Lage: Ein vollständiger Austausch aller Akkus würde das Unternehmen nach eigener Darstellung „sofort in den Ruin treiben”. Die Lage ist tatsächlich angespannt — Anfang November 2025 kündigte Rad Power den Behörden in Washington mögliche Entlassungen von 64 Mitarbeitenden und die Schließung des Werks in Seattle an, sollte bis Januar 2026 keine zusätzliche Finanzierung stehen. Während der Untersuchung bot das Unternehmen stattdessen an, Besitzer der betroffenen Modelle vergünstigt auf neuere „Safe Shield”-Akkus umsteigen zu lassen — ein Rabatt, der zeitweise an eine Black-Friday-Aktion gekoppelt war. Der CPSC reichte das als Sicherheitsmaßnahme nicht aus.
Für Sie als Besitzer heißt das praktisch: Es gibt keinen automatischen Anspruch auf kostenlosen Ersatz. Haben Sie einen betroffenen Akku, müssen Sie selbst aktiv werden und sich um Nutzungsstopp und Entsorgung kümmern.
Was betroffene Besitzer jetzt tun sollten
Die CPSC empfiehlt einen sofortigen Nutzungsstopp. So gehen Sie konkret vor:
- Akku identifizieren. Prüfen Sie die Modellnummer auf dem Aufkleber. Nur RP-1304, RAD-S1304Y und HL-RP-S1304 sind betroffen.
- Nutzung sofort einstellen. Nehmen Sie den Akku aus dem Rad. Laden Sie ihn nicht weiter und fahren Sie nicht mehr damit.
- Sicher zwischenlagern. Bewahren Sie den Akku bis zur Entsorgung an einem kühlen, trockenen Ort auf nicht brennbarem Untergrund auf, mit Abstand zu Fluchtwegen, brennbaren Materialien und Wohnräumen. Ist der Akku beschädigt oder aufgebläht, lagern Sie ihn nach Möglichkeit nicht in geschlossenen Innenräumen.
- Richtig entsorgen. Lithium-Ionen-Akkus gehören nicht in den normalen Hausmüll und auch nicht zu üblichen Recyclern. In den USA verweist die CPSC Sie dafür an die kommunalen Sammelstellen für Sondermüll (Household Hazardous Waste, HHW).
- Nicht verkaufen oder verschenken. Geben Sie den Akku nicht an Dritte weiter — Sie würden das Risiko nur weiterreichen.
Ein defekter oder überhitzender Lithium-Akku lässt sich mit einem normalen Wasser- oder Pulverlöscher kaum sicher beherrschen. Bemerken Sie sichtbare Schäden, starke Erwärmung, ein Aufblähen, Zischen oder Rauch: Halten Sie Abstand, verlassen Sie nach Möglichkeit den Bereich und wählen Sie den Notruf.
Was das für E-Bike-Besitzer in Deutschland bedeutet
Die konkrete Warnung ist eine US-Behördenmeldung. Rad Power Bikes hatte den Rückzug aus Europa bereits im Juli 2023 angekündigt und den regulären Verkauf in EU und Großbritannien Anfang 2024 eingestellt; die genannten Modelle wurden in Deutschland seither nicht mehr regulär vertrieben. Haben Sie Ihr Rad hierzulande im normalen Fachhandel gekauft, sind Sie von dieser Meldung mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht direkt betroffen. Vorsicht ist nur geboten, wenn Sie einen Akku oder ein E-Bike aus den USA importiert oder gebraucht gekauft haben.
Die eigentliche Lehre gilt aber für jeden E-Bike-Akku, unabhängig vom Hersteller — auch für Ihren. Lithium-Ionen-Akkus sind sicher, solange sie unbeschädigt und richtig behandelt werden; die typischen Brandursachen können Sie vermeiden:
- Original-Ladegerät verwenden. Verzichten Sie auf billige Nachbau-Netzteile und falsche Spannungen.
- Nicht unbeaufsichtigt über Nacht laden. Laden Sie idealerweise auf nicht brennbarem Untergrund und mit Abstand zu Vorhängen, Sofa oder Fluchtweg.
- Vor mechanischer Beschädigung schützen. Ein Sturz, ein Durchstich oder ein aufgeblähtes Gehäuse sind ernste Warnzeichen — laden Sie einen solchen Akku nicht mehr.
- Temperatur beachten. Laden Sie bei etwa 10–25 °C, hängen Sie einen ausgekühlten Akku nicht sofort ans Netz und lagern Sie ihn nicht in praller Sonne.
- Vor Nässe schützen. Der Rad-Power-Fall zeigt, wie kritisch Wasser und Schmutz an Akku und Steckverbindungen sein können — kontrollieren Sie die Anschlüsse nach Fahrten im Regen.
Zur Entsorgung in Deutschland: Alte oder defekte E-Bike-Akkus gehören nach dem Batteriegesetz nicht in Ihren Hausmüll. Sie können sie kostenlos beim Händler oder am kommunalen Wertstoffhof zurückgeben; für Lithium-Ionen-Akkus aus E-Bikes gibt es zudem eigene Rücknahmesysteme des Fachhandels. Kündigen Sie beschädigte oder aufgeblähte Akkus vorher beim Händler oder Wertstoffhof an, damit sie gesondert und sicher behandelt werden..
FAQ
Ist mein Rad-Power-Akku in Deutschland betroffen? Nur, wenn es sich um die Modelle RP-1304, RAD-S1304Y oder HL-RP-S1304 handelt — die Nummer steht auf dem Aufkleber am Akku. Diese Akkus wurden ausschließlich für den US-Markt verkauft. Haben Sie Ihr E-Bike regulär in Deutschland gekauft, betrifft Sie diese Warnung nicht.
Woran erkenne ich, dass ein Lithium-Akku gefährlich wird? Achten Sie auf ein aufgeblähtes Gehäuse, Verformungen, ungewöhnlich starke Hitze, Zischen, einen süßlich-chemischen Geruch, austretende Flüssigkeit oder Rauch. Bemerken Sie eines dieser Zeichen, laden Sie den Akku nicht mehr, halten Sie Abstand und wählen Sie im Ernstfall den Notruf (112).
Wie entsorge ich einen defekten E-Bike-Akku richtig? Nicht über den Hausmüll und nicht über die normale Wertstofftonne. Geben Sie ihn kostenlos beim Fahrradhändler oder am kommunalen Wertstoffhof ab, und melden Sie beschädigte Akkus vorab an, damit sie sicher und getrennt gehandhabt werden können.
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