OpenAI behebt Em-Dash-Problem in ChatGPT (GPT-5.1)
Der lange Gedankenstrich – der sogenannte Em-Dash – war jahrelang das deutlichste Erkennungszeichen für Texte aus ChatGPT. Wer den Chatbot bat, ihn wegzulassen, wurde konsequent ignoriert. Seit Mitte November 2025 ist das anders: OpenAI-Chef Sam Altman meldete, dass ChatGPT die Anweisung endlich befolgt. Dieser Text zeigt, warum der Strich als KI-Verräter gilt, wie Sie ihn über die benutzerdefinierten Anweisungen dauerhaft abschalten, warum er trotzdem gelegentlich durchrutscht und wie Sie ihn im fertigen Dokument per Suchen-und-Ersetzen restlos entfernen.
Was war das „Em-Dash-Problem”?
Der Em-Dash (Geviertstrich, Unicode U+2014, Zeichen —) ist der lange Bindestrich, der im Englischen ohne Leerzeichen mitten in Sätzen eingeschoben wird. ChatGPT setzte ihn extrem häufig – quer durch E-Mails, Hausarbeiten, LinkedIn-Posts und Blogtexte. Weil menschliche Autoren ihn deutlich seltener verwenden, wurde die Häufung zum verlässlichen Signal: „Das hat eine KI geschrieben.”
Das eigentliche Ärgernis war nicht der Strich selbst, sondern die Sturheit des Modells. Nutzer trugen in ihre Einstellungen ein, dass keine Em-Dashes erscheinen sollten, und bekamen sie trotzdem geliefert. Genau dieser Punkt gilt jetzt als behoben. Altman bezeichnete den Fortschritt sinngemäß als kleinen, aber erfreulichen Fortschritt: Wenn man ChatGPT in den benutzerdefinierten Anweisungen den Verzicht auf Em-Dashes vorgebe, halte es sich nun endlich daran. Der Post erschien wenige Tage nach dem Start von GPT-5.1.
Warum der Gedankenstrich als KI-Verräter gilt
Zwei Faktoren machen den Em-Dash zum Signal. Der erste ist die schiere Frequenz: Sprachmodelle sind auf riesigen englischsprachigen Textmengen trainiert, in denen der Em-Dash ein gängiges Stilmittel ist. Das Modell übernimmt diese Vorliebe und streut den Strich auch dort ein, wo ein Mensch ein Komma oder einen Doppelpunkt setzen würde.
Der zweite Faktor ist speziell für deutsche Texte interessant: Die deutsche Typografie kennt den Em-Dash als Satzzeichen im Fließtext gar nicht. Korrekt ist hierzulande der Halbgeviertstrich (en-dash, U+2013, Zeichen –), und zwar mit Leerzeichen davor und danach:
- Bindestrich / Viertelgeviertstrich
-(U+002D): Wortkopplungen, Trennungen (E-Mail, Süd-Nord) - Gedankenstrich / Halbgeviertstrich
–(U+2013): Einschübe und Pausen im deutschen Satz – so wie hier - Geviertstrich / Em-Dash
—(U+2014): im Deutschen unüblich, typisch für englischen Satz und KI-Ausgaben
Ein Em-Dash in einem deutschen Text ist damit doppelt auffällig – er ist nicht nur ein KI-Muster, sondern auch typografisch falsch. Wer sauber schreibt, ersetzt ihn ohnehin durch den Halbgeviertstrich mit Leerzeichen.
So stellen Sie ChatGPT die Em-Dashes ab (Schritt für Schritt)
Der Fix ist keine Standardeinstellung, die von selbst greift. Sie müssen ihn über die benutzerdefinierten Anweisungen (Custom Instructions) aktiv setzen. So gehen Sie vor:
- Melden Sie sich auf chatgpt.com an.
- Öffnen Sie über Ihr Profil (Avatar oben rechts oder Ihr Name unten links) die Einstellungen.
- Wählen Sie Personalisieren und dann Benutzerdefinierte Anweisungen aus.
- Tragen Sie im Feld „Wie soll sich ChatGPT verhalten?” eine klare Regel ein, zum Beispiel:
Verwende niemals Geviertstriche (Em-Dash, —). Nutze stattdessen Kommas, Klammern oder Doppelpunkte. Wenn ein Gedankenstrich nötig ist, setze den Halbgeviertstrich – mit Leerzeichen davor und danach.
- Speichern Sie. Die Anweisung gilt ab dem nächsten Chat, nicht rückwirkend für bestehende Unterhaltungen.
Für einen einzelnen Text müssen Sie die Einstellung nicht dauerhaft ändern – Sie können denselben Satz auch direkt ans Ende Ihres Prompts hängen. Die benutzerdefinierte Anweisung ist aber praktischer, weil sie ohne Wiederholung für alle neuen Chats gilt.
Warum trotzdem manchmal noch ein Em-Dash durchrutscht
Der Fix ist eine Verbesserung, keine Garantie. Rechnen Sie mit drei Einschränkungen:
- Kein Standard, sondern Opt-in. ChatGPT verzichtet nicht von sich aus auf den Strich. Ohne Ihre Anweisung setzt es ihn weiter.
- Nicht hundertprozentig zuverlässig. Kurz nach der Ankündigung meldeten Nutzer Fälle, in denen sich der Em-Dash trotz Anweisung wieder einschlich. Es handelt sich um eine gelernte Präferenz des Modells, nicht um einen harten Filter.
- An das Modell gebunden. Das zuverlässigere Befolgen kam mit GPT-5.1. Ältere Modelle oder Zugänge über die API können sich anders verhalten.
Wenn Sie auf Nummer sicher gehen wollen, bereinigen Sie den fertigen Text nachträglich. In Word, Google Docs oder jedem Editor ersetzen Sie über Suchen und Ersetzen das Zeichen — durch ein Komma oder durch – (Halbgeviertstrich mit Leerzeichen). Wer programmiert, ersetzt das Unicode-Zeichen — per Skript oder Regex in einem Durchlauf.
Macht das Ihren Text „nicht mehr als KI erkennbar”?
Nur bedingt. Der Em-Dash ist das bekannteste, aber nicht das einzige Muster. Formelhafte Einleitungen, immer gleiche Dreierlisten, aufgesetzte Zwischenüberschriften und inhaltsleere Zusammenfassungen fallen ebenso auf. Das Zeichen zu entfernen verbessert die Optik, ersetzt aber keine echte inhaltliche Überarbeitung. Wer KI-Texte veröffentlicht, sollte sie ohnehin auf Fakten, Ton und eigenen Mehrwert prüfen – der Strich ist da das kleinste Problem.
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FAQ
Brauche ich GPT-5.1, damit die Einstellung funktioniert? Das zuverlässige Befolgen der Anweisung kam mit GPT-5.1 im November 2025. In älteren Modellen oder über die API kann ChatGPT den Em-Dash trotz Vorgabe weiter setzen.
Was ist der Unterschied zwischen Em-Dash und deutschem Gedankenstrich? Der Em-Dash (—, U+2014) ist der lange, im Englischen ohne Leerzeichen gesetzte Strich. Der korrekte deutsche Gedankenstrich ist der Halbgeviertstrich (–, U+2013) und steht mit Leerzeichen davor und danach. Im deutschen Fließtext ist der Em-Dash typografisch nicht vorgesehen.
Gilt die Anweisung auch für die ChatGPT-API? Die benutzerdefinierten Anweisungen sind ein Feature der ChatGPT-Oberfläche. In der API steuern Sie das Verhalten stattdessen über den System-Prompt, in dem Sie den Verzicht auf Em-Dashes ausdrücklich vorgeben.