„About this account“ auf X: Wo ein Konto herkommt

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„About this account“ auf X: Herkunft eines Kontos in wenigen Klicks

Seit dem 21. November 2025 blendet X (ehemals Twitter) auf jedem Profil ein Info-Panel namens „About this account“ ein. Es verrät, in welchem Land oder welcher Region ein Konto vermutlich betrieben wird, wann es angelegt wurde und wie oft der Nutzername gewechselt hat. Angekündigt hatte das Feature X-Produktchef Nikita Bier – erklärtes Ziel: Bots, Troll-Fabriken und getarnte Auslandskonten leichter enttarnen. Dieser Artikel zeigt, wo Sie die Daten finden, wie Sie Ihre eigene Anzeige steuern und warum die Herkunftsangabe mit Vorsicht zu genießen ist.

Was das Panel anzeigt

Öffnen Sie ein Profil und tippen (Mobile) beziehungsweise klicken (Web) Sie auf das Beitrittsdatum unter dem Namen – die Zeile „Beigetreten im …“ bzw. „Joined“. Statt nur des Datums öffnet sich jetzt eine eigene Seite mit vier Angaben:

  • Land oder Region des Kontos. X leitet dies aus historischen und aktuellen IP-Adressen ab – nicht aus einer manuellen Angabe des Nutzers.
  • Beitrittsdatum. Wann das Konto erstellt wurde.
  • Anzahl der Nutzernamen-Wechsel und Datum der letzten Änderung. Häufige @-Handle-Wechsel sind ein klassisches Signal für recycelte oder umfunktionierte Konten.
  • Verbindungsart bzw. Herkunft des App-Downloads. Also über welchen Länder-Store (z. B. deutscher App Store oder Google Play) oder welchen Zugangsweg (Web, iOS, Android) das Konto angelegt wurde. Bei zahlenden Premium-Nutzern fließen zusätzlich Zahlungsdaten in die Schätzung ein.

Der Nutzen liegt im Abgleich: Ein Konto, das sich als deutsche Lokalstimme ausgibt, aber laut Panel im Ausland betrieben wird und dessen App aus einem ganz anderen Länder-Store stammt, verdient Skepsis. Genau dieser Abgleich hat beim Start für Aufsehen gesorgt (siehe unten).

So steuern Sie Ihre eigene Anzeige

Sie können nicht verhindern, dass überhaupt eine Herkunft angezeigt wird – das Feature lässt sich nicht komplett abschalten. Sie können aber die Genauigkeit der Anzeige reduzieren: entweder das genaue Land oder nur die gröbere Region (Kontinent/Großraum). Standardmäßig ist das Land eingestellt.

So ändern Sie es direkt am Profil:

  1. Rufen Sie Ihr eigenes Profil auf und tippen/klicken Sie auf Ihr Beitrittsdatum.
  2. Öffnen Sie im „About this account“-Panel das Zahnrad-Symbol (Einstellungen).
  3. Wählen Sie zwischen Land und Region.

Alternativ erreichen Sie denselben Schalter über die Kontoeinstellungen: Settings → Privacy and Safety → About your account. Wenn Sie regelmäßig reisen oder umziehen, kann die Region-Einstellung sinnvoll sein, weil sie weniger über Ihren tatsächlichen Aufenthaltsort verrät.

Warum die Herkunftsangabe nicht immer stimmt

Schon in den ersten Tagen musste X einräumen, dass die angezeigte Herkunft für einen Teil der Profile falsch war. Zwei Ursachen nannte Nikita Bier:

  • Veraltete Standort-Datenbank. Zur Schätzung des Standorts nutzte X anfangs einen älteren Verarbeitungsprozess, der teils ungenaue Ergebnisse lieferte.
  • Verschobene IP-Bereiche. Bei alten Konten war das ursprüngliche Erstellungsland teils falsch, weil sich IP-Adressbereiche über die Jahre verschoben haben oder das Konto seinerzeit über einen Server in einem anderen Land oder per VPN angelegt wurde.

Bier räumte ein, die Daten seien „nicht zu 100 Prozent“ korrekt für alte Konten, und kündigte an, „ein paar raue Kanten“ kurzfristig zu glätten. X ergänzte den Hinweis, dass die Standortdaten durch Reisen oder vorübergehende Aufenthalte beeinflusst sein können, nicht zwingend akkurat sind und sich periodisch aktualisieren.

Der VPN- und Proxy-Faktor

Wer beim Anlegen oder Nutzen eines Kontos ein VPN oder einen Proxy verwendet, verschleiert seine echte IP – und damit die von X abgeleitete Herkunft. Das kann harmlos sein (Datenschutz, Firmen-VPN) oder gezielte Tarnung. X markiert erkannte Proxy-Verbindungen mit dem Zusatzhinweis, dass Land oder Region ungenau sein können. Praktisch heißt das: Die Anzeige ist ein Indiz, kein Beweis. Ein deutsches Konto hinter einem US-VPN erscheint als US-Konto – und umgekehrt.

Die Kontroverse zum Start

Der eigentliche Aufreger war weniger die Technik als das, was sichtbar wurde: Innerhalb weniger Tage nach dem Rollout identifizierten Nutzer zahlreiche reichweitenstarke „America First“- und MAGA-Konten, die sich intensiv zu US-Innenpolitik äußerten, laut Panel aber aus Bangladesch, Nigeria, der Türkei oder Osteuropa betrieben wurden. Ein Konto mit rund 70.000 Followern, das sich als patriotische US-Stimme inszenierte, wurde als aus Bangladesch stammend angezeigt. Ein vorgeblicher Fanaccount der Trump-Tochter Ivanka mit rund einer Million Followern erschien als Nigeria-Konto und wurde danach gesperrt. Das befeuerte die Debatte über koordinierte Einflussoperationen und „Troll-Farmen“ auf der Plattform – genau darauf zielte Bier ab: die Idee, dass Leser die Herkunft einer politischen Stimme selbst nachprüfen können.

Gleichzeitig zeigte die Anfangsphase die Kehrseite: Auch unbeteiligte, echte Konten – etwa aus Kanada – wurden durch die Ungenauigkeiten der Datenbank zeitweise falsch als „aus dem Ausland“ markiert. Transparenz ist nur so gut wie die Daten dahinter; ein einzelner Panel-Eintrag ersetzt keine sorgfältige Prüfung.

Kein X-Original: Instagram macht es länger

Die Idee ist nicht neu. Instagram bietet ein Feature mit identischem Namen bereits seit 2018 an – eingeführt zunächst für Konten mit großer Reichweite, mit Angaben zu Beitrittsdatum, Standort des Kontos, Nutzernamen-Wechseln im letzten Jahr und laufenden Werbeanzeigen. X überträgt dieses Prinzip nun auf alle Profile und rückt die Länder-Herkunft stärker in den Vordergrund. Ähnliche Signale kennen Sie auch aus der Diskussion um automatisierte Konten und KI-generierte Inhalte – ein Thema, das eng mit der Frage nach verlässlichen KI-Werkzeugen zusammenhängt.

Was Sie praktisch damit anfangen

  • Vor dem Teilen prüfen: Bei brisanten politischen oder „lokalen“ Behauptungen lohnt der schnelle Blick aufs Herkunfts-Panel.
  • Muster erkennen: Junges Konto + viele Nutzernamen-Wechsel + Herkunft passt nicht zum Auftreten = erhöhte Skepsis.
  • Nicht überinterpretieren: VPN-Nutzung, Umzüge und alte Datenfehler erzeugen falsche Positive. Nutzen Sie das Panel als einen Baustein, nicht als Urteil.
  • Eigene Privatsphäre justieren: Wenn Sie nicht möchten, dass Ihr genaues Land sichtbar ist, stellen Sie auf Region um. Wer generell auf datensparsame Dienste achtet, findet in unserer Übersicht zu DSGVO-konformen Apps weitere Anhaltspunkte.

FAQ

Kann ich die Standortanzeige komplett deaktivieren? Nein. Sie können nur zwischen der Anzeige Ihres genauen Landes und der gröberen Region wählen. Eine vollständige Abschaltung sieht X nicht vor. Standard ist die Länderanzeige.

Warum zeigt X ein falsches Land für mein Konto an? Meist liegt es an alten IP-Daten, an der ursprünglichen Kontoerstellung über einen Server in einem anderen Land oder an VPN-/Proxy-Nutzung. X leitet den Standort aus gesammelten IP-Adressen ab, nicht aus einer manuellen Angabe – deshalb kann er von Ihrem tatsächlichen Aufenthaltsort abweichen.

Sehen andere Nutzer, wie oft ich meinen @-Namen geändert habe? Ja. Die Zahl der Nutzernamen-Wechsel samt Datum der letzten Änderung ist Teil des öffentlich einsehbaren „About this account“-Panels und lässt sich nicht ausblenden.