Kann man Figma offline nutzen?
Kurz gesagt: teilweise. Figma ist ein Cloud-Werkzeug und speichert Ihre Dateien auf dem Server. Trotzdem können Sie im Zug ohne WLAN oder im Café mit schwacher Verbindung weiterarbeiten, solange Sie ein paar Regeln kennen. Dieser Text zeigt, was ohne Internet konkret geht, was nicht, wie Sie eine Datei vorher vorbereiten und was beim Wiederverbinden mit Ihren Änderungen passiert.
Die kurze Antwort
Figma hat keinen echten Offline-Modus im Sinne einer klassischen Desktop-Software wie Sketch oder Photoshop. Es gibt aber eine eingeschränkte Offline-Bearbeitung: Sie können an genau den Dateien und Seiten weiterarbeiten, die während Ihrer Online-Sitzung bereits geladen wurden. Alle Änderungen landen lokal im Zwischenspeicher und werden synchronisiert, sobald die Verbindung zurück ist.
Der Haken: Sie müssen offline gehen, während die Datei geöffnet ist. Schließen Sie sie zu früh oder starten Sie Figma ohne Verbindung neu, ist die Datei nicht mehr erreichbar.
Was offline funktioniert – und was nicht
Ohne Internet möglich:
- Die aktuell geöffnete Seite bearbeiten sowie alle Seiten, die Sie während der Online-Sitzung schon einmal geöffnet hatten
- Ebenen, Frames, Formen, boolesche Operationen und Vektornetze anlegen
- Eigenschaften ändern: Füllung, Kontur, Maße, Position, Reihenfolge
- Komponenten verwenden, die in der aktuellen Datei selbst angelegt sind
- Eine begrenzte Zahl neuer Figma-Dateien anlegen (offline stark eingeschränkt)
- Bereits geladene Prototypen abspielen
- Zuvor geöffnete Plugins nutzen, sofern sie keine externe Schnittstelle brauchen
- Die Datei als
.figexportieren (als Momentaufnahme ohne Kommentare und Versionsverlauf)
Ohne Internet nicht möglich:
- Dateien öffnen, die Sie in dieser Sitzung noch nicht geladen hatten
- Nicht geladene Seiten einer geöffneten Datei aufrufen
- Komponenten aus geteilten Bibliotheken suchen oder einfügen
- Live-Zusammenarbeit: fremde Cursor, Beobachtungsmodus, Änderungen anderer
- Neue Plugins installieren oder Plugins mit API-Zugriff nutzen
- Den Versionsverlauf einsehen
- Kommentare synchronisieren
Desktop-App oder Browser: der Unterschied
Für Offline-Arbeit ist die Desktop-App die sicherere Wahl. Wenn Sie ein Fenster mit ungespeicherten Offline-Änderungen schließen wollen, zeigt die App einen Dialog und lässt Sie zwischen Speichern und Verwerfen wählen. So gehen Änderungen nicht versehentlich verloren.
Im Browser hängen Ihre Offline-Daten am lokalen Speicher (IndexedDB) des jeweiligen Geräts. Figma bewahrt Offline-Änderungen dort nur für eine begrenzte Zeit auf – rund 30 Tage, in Safari deutlich kürzer (etwa 7 Tage). Danach werden nicht synchronisierte Änderungen verworfen. Der Speicher ist außerdem geräte- und browsergebunden: Was Sie in Chrome offline geändert haben, taucht in Firefox oder auf einem anderen Rechner nicht auf.
Ein zweiter Punkt spricht für die App: Schriften. Lokal installierte Schriftarten stehen offline zur Verfügung, Cloud-Schriften dagegen nur, wenn sie vorher geladen wurden. Die Desktop-App greift ohne den separaten Font-Installer direkt auf Ihre Systemschriften zu, was offline weniger Lücken hinterlässt.
So bereiten Sie eine Datei für den Offline-Einsatz vor
Ein paar Handgriffe, bevor Sie die Verbindung verlieren, ersparen später Frust:
- Öffnen Sie die Datei online in der Desktop-App.
- Klicken Sie jede Seite einmal an, die Sie unterwegs brauchen. Nur geladene Seiten sind offline verfügbar.
- Öffnen Sie einmal die Frames und Komponenten, mit denen Sie arbeiten wollen, damit Bilder und Instanzen im Cache liegen.
- Starten Sie die Plugins, die Sie benötigen, bereits online einmal.
- Legen Sie zur Sicherheit eine lokale
.fig-Kopie an (siehe unten).
Erst danach das WLAN trennen. Figma zeigt dann einen Hinweis, dass Sie offline sind, und speichert ab jetzt lokal.
Synchronisation und Konflikte beim Wiederverbinden
Sobald die Verbindung zurückkehrt, überträgt Figma die gespeicherten Änderungen automatisch und setzt dabei einen Checkpoint im Versionsverlauf. In den meisten Fällen läuft das geräuschlos durch.
Kritisch wird es, wenn dieselbe Datei in der Zwischenzeit von jemand anderem – oder von Ihnen auf einem zweiten Gerät – bearbeitet wurde. Dann meldet Figma einen Konflikt und Sie entscheiden, welche Version übernommen wird. Wichtig: Warten Sie nach dem Wiederverbinden, bis die Synchronisation abgeschlossen ist, bevor Sie das Programm schließen. Wer zu früh beendet, riskiert, dass Offline-Änderungen nicht ankommen. Bei sehr großen Dateien oder vielen Einzelschritten kann die Übertragung einen Moment dauern.
Eine lokale Sicherung anlegen (.fig-Export)
Der .fig-Export ist Ihr Rettungsanker. Er erzeugt eine eigenständige Datei auf der Festplatte, die Sie später per Doppelklick oder Import wieder in Figma öffnen und weiterbearbeiten können.
Den Export finden Sie im Menü Datei → Lokale Kopie speichern. Die Datei enthält den aktuellen Stand des Designs, aber weder Kommentare noch Versionsverlauf. Als Backup vor einer längeren Offline-Phase oder vor Reisen ist das trotzdem die verlässlichste Absicherung.
Typische Probleme und Lösungen
Figma zeigt mich dauerhaft als „offline“, obwohl ich Internet habe. Meist blockiert eine Firewall, ein VPN oder ein Proxy die Verbindung. Testen Sie zunächst die Browser-Version; funktioniert sie, liegt es an der App-Verbindung. Ein Neustart der App und das kurze Deaktivieren des VPN lösen das in den meisten Fällen.
Meine Offline-Änderungen sind weg. Wahrscheinlich haben Sie im Browser gearbeitet und die 30-Tage-Frist (Safari: 7 Tage) überschritten, den Browser-Cache geleert oder ein anderes Gerät genutzt. Für längere Offline-Arbeit deshalb immer die Desktop-App plus .fig-Export.
Schriften werden offline durch Ersatzschriften ausgetauscht. Die Originalschrift war nicht lokal installiert und lag nur als Cloud-Font vor. Installieren Sie die benötigten Schriften vorab auf dem System, dann bleiben sie offline erhalten.
Ich kann die Datei offline gar nicht öffnen. Sie war in dieser Sitzung noch nicht geladen. Ohne vorheriges Öffnen im Online-Zustand lässt sich eine Figma-Datei offline nicht aufrufen – hier hilft nur der .fig-Export als lokale Alternative.
Wenn Sie wirklich offline arbeiten müssen: Alternativen
Wer regelmäßig ohne Netz gestalten muss, ist mit einem lokal arbeitenden Programm besser bedient:
- Sketch (nur macOS) speichert Dateien standardmäßig lokal und funktioniert vollständig offline.
- Penpot ist quelloffen und lässt sich selbst hosten, sodass Sie unabhängig von einer fremden Cloud sind.
- Für schnelle Skizzen ohne Verbindung genügt oft ein leichtgewichtiges Werkzeug wie Excalidraw.
Für Teams, die auf die Zusammenarbeit in Echtzeit setzen, bleibt Figma trotz der Einschränkungen die naheliegende Wahl – der Offline-Betrieb ist dort eher Notlösung als Dauerzustand. Einen breiteren Vergleich finden Sie unter Figma-Alternativen.
FAQ
Kann ich mit Figma offline eine komplett neue Datei anlegen? Grundsätzlich ja, aber nur sehr eingeschränkt: Das Anlegen neuer Dateien ist offline auf eine kleine Zahl begrenzt. Alles Weitere synchronisiert erst wieder, wenn Sie online sind.
Gehen meine Änderungen verloren, wenn ich offline den Browser schließe?
In der Desktop-App warnt ein Dialog vorher. Im Browser bleiben die Daten bis zu 30 Tage erhalten (Safari: 7 Tage) – solange Sie denselben Browser auf demselben Gerät nutzen und den Cache nicht leeren. Sicherer ist immer ein .fig-Export.
Funktioniert die Zusammenarbeit im Team offline? Nein. Fremde Cursor, Live-Änderungen, Kommentare und Bibliothekskomponenten brauchen eine Verbindung. Offline arbeiten Sie ausschließlich an Ihrem eigenen, lokal gespeicherten Stand.
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