Infrarotheizung 2026: Stromverbrauch, Kosten & wann sie sinnvoll ist
Eine Infrarotheizung ist schnell montiert, günstig in der Anschaffung und wirbt gern mit „100 % Wirkungsgrad”. Das klingt nach der einfachen, sauberen Lösung fürs Heizen mit Strom. Doch genau hier lohnt sich der zweite Blick: Ein hoher Wirkungsgrad am Gerät bedeutet nicht automatisch niedrige Heizkosten – denn Strom ist 2026 mit rund 31 ct/kWh vergleichsweise teuer.
In diesem Ratgeber erfährst du ehrlich, wie eine Infrarotheizung funktioniert, wie hoch der Stromverbrauch und die Kosten wirklich sind und in welchen Fällen sie sinnvoll ist – und in welchen nicht. Statt Marketing-Versprechen bekommst du transparente Rechenbeispiele und einen fairen Vergleich mit der Wärmepumpe.
Tipp: Du überlegst grundsätzlich, wie du künftig günstig und klimafreundlich heizt? Den großen Überblick über Technik, Kosten und Förderung findest du in unserem Wärmepumpen-Ratgeber.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine Infrarotheizung heizt per Strahlung: Sie erwärmt Flächen, Gegenstände und Personen direkt – nicht in erster Linie die Raumluft.
- Am Gerät wandelt sie Strom nahezu vollständig in Wärme um. „100 % Wirkungsgrad” heißt aber nicht „günstig im Betrieb”.
- Betriebskosten sind hoch: 1 kWh Wärme kostet rund 31 ct – eine Wärmepumpe braucht dafür 3,5- bis 4-mal weniger Strom.
- Günstig in der Anschaffung, teuer im Betrieb – damit ist die Infrarotheizung fast das Gegenteil einer Wärmepumpe.
- Sinnvoll vor allem als Zusatz- oder Übergangsheizung, im Bad, Gästezimmer, Homeoffice oder in kleinen, gut gedämmten Räumen – nicht als billige Hauptheizung fürs ganze, schlecht gedämmte Haus.
- Mit selbst erzeugtem PV-Strom und einem smarten Thermostat lassen sich die Kosten senken – im Hochwinter allerdings nur begrenzt.
Wie funktioniert eine Infrarotheizung?
Eine klassische Heizung (Heizkörper, Konvektor) erwärmt vor allem die Luft. Die warme Luft steigt auf, kühlt an Wänden und Fenstern ab und sinkt wieder – es entsteht eine spürbare Luftzirkulation. Eine Infrarotheizung geht anders vor: Sie gibt langwellige Infrarotstrahlung ab, die auf Wände, Möbel, Boden und Menschen trifft und dort in Wärme umgewandelt wird. Diese Flächen geben die Wärme dann sanft an den Raum zurück.
Technisch ist eine Infrarotheizung eine elektrische Widerstandsheizung: Strom fließt durch ein Heizelement, das sich erwärmt und die Wärme über eine Oberfläche (Glas, Metall, Spiegel oder ein bedrucktes „Bild”-Paneel) abstrahlt. Am Gerät wird nahezu der gesamte eingesetzte Strom in Wärme umgesetzt – daher der Wert „nahezu 100 %”.
Die Grenze der Strahlungswärme: Infrarot wirkt am besten „auf Sichtlinie”. Stehen große Möbel, Vorhänge oder Raumteiler zwischen Heizpaneel und Sitzplatz, kommt weniger Strahlung an. Auch bei hohen Decken, Zugluft oder schlecht gedämmten Außenwänden verpufft ein Teil der Wärme. Die gefühlte Behaglichkeit ist zwar oft angenehm, ersetzt aber keine gute Gebäudedämmung.
Infrarotheizung Stromverbrauch: So viel Strom zieht sie wirklich
Der Stromverbrauch einer Infrarotheizung hängt an zwei Größen: der Leistung (Watt) des Paneels und der tatsächlichen Laufzeit. Übliche Paneele liegen grob zwischen 300 und 900 Watt. Über ein Thermostat schaltet sich das Paneel ein und aus, läuft also nicht dauerhaft auf Volllast.
Das folgende Rechenbeispiel geht von einem Strompreis von 31 ct/kWh (Stand 2026) aus. Die „5 Stunden/Tag” sind als effektive Volllast-Stunden zu verstehen – tatsächlich taktet das Thermostat je nach Wärmebedarf.
| Paneel-Leistung | Kosten pro Volllast-Stunde | Beispiel: 5 h/Tag über 150 Heiztage |
|---|---|---|
| 300 W | ~9 ct | ~225 kWh → ~70 € |
| 600 W | ~19 ct | ~450 kWh → ~140 € |
| 900 W | ~28 ct | ~675 kWh → ~210 € |
Wichtig: Das sind Werte pro Paneel. Größere oder kühlere Räume brauchen oft mehr Leistung oder mehrere Paneele – die Kosten summieren sich entsprechend. Der reale Verbrauch schwankt stark mit Dämmung, Raumgröße, Wunschtemperatur, Fensterflächen und deinem Heizverhalten. Als grobe Dimensionierungs-Faustregel gelten rund 60 W/m² in gut gedämmten und bis zu 100 W/m² in schlechter gedämmten Räumen – ein Orientierungswert, keine Garantie.
Infrarotheizung Kosten: Anschaffung, Betrieb & der ehrliche Vergleich
Bei den Kosten dreht sich das Bild je nachdem, ob du auf Anschaffung oder Betrieb schaust.
Anschaffung (günstig): Ein Infrarot-Paneel kostet je nach Größe, Leistung und Ausführung grob 80–500 € pro Stück (Stand 2026) – Design-, Spiegel- oder Bildpaneele liegen am oberen Ende. Da viele Modelle einfach eingesteckt und an die Wand gehängt werden, entfallen oft aufwendige Installationskosten. Preise bitte tagesaktuell prüfen; für ein konkretes Vorhaben ist ein individuelles Angebot sinnvoll.
Betrieb (teuer): Genau hier liegt der Haken. Weil eine Infrarotheizung 1 kWh Strom in etwa 1 kWh Wärme umwandelt, kostet jede Kilowattstunde Wärme rund 31 ct. Eine Wärmepumpe macht aus 1 kWh Strom dank Jahresarbeitszahl (JAZ) 3,5–4 rund 3,5–4 kWh Wärme – der Strombedarf für dieselbe Wärmemenge ist also drei- bis viermal niedriger.
| Heizsystem | Strombedarf für 1 kWh Wärme | Grobe Kosten je kWh Wärme (Stand 2026) |
|---|---|---|
| Infrarotheizung | ~1 kWh | ~31 ct |
| Wärmepumpe (JAZ 3,5–4) | ~0,25–0,29 kWh | ~8–9 ct (mit Wärmepumpentarif ggf. weniger) |
Grundlage des Vergleichs: Strompreis ~31 ct/kWh und JAZ 3,5–4. Wärmepumpen können über einen speziellen Heizstromtarif und reduzierte Netzentgelte nach §14a EnWG noch günstiger fahren.
Die Botschaft ist unbequem, aber ehrlich: Rechnest du eine ganze Wohnung oder ein Haus dauerhaft mit Infrarot warm, summieren sich schnell mehrere tausend Kilowattstunden pro Jahr – bei ~31 ct/kWh also ein vierstelliger Betrag, deutlich mehr, als eine Wärmepumpe im selben Gebäude an Betriebskosten verursachen würde. Wie sich die Betriebskosten einer Wärmepumpe zusammensetzen, liest du unter Wärmepumpe Stromverbrauch und Wärmepumpe Kosten.
Wann ist eine Infrarotheizung sinnvoll – und wann nicht?
Ob eine Infrarotheizung sinnvoll ist, entscheidet sich nicht an der Technik, sondern am Einsatzzweck. Ihre Stärke ist die punktuelle, schnell verfügbare Wärme – ihre Schwäche der teure Dauerbetrieb.
Sinnvoll ist eine Infrarotheizung oft hier:
- Zusatz- oder Übergangsheizung: für die Frühlings- und Herbsttage, an denen die Zentralheizung noch aus bleiben soll.
- Selten genutzte Räume: Gästezimmer, Hobbyraum, Werkstatt oder Ferienwohnung, die nur zeitweise warm sein müssen.
- Kleine, gut gedämmte Räume: Homeoffice, Ankleide oder ein moderner, gut isolierter Neubau-Raum mit geringem Wärmebedarf.
- Bad: als schnelle Zuheizung oder als Spiegel-Paneel, das gleichzeitig heizt und den Spiegel beschlagfrei hält.
- Punktuelle Wärme am Arbeitsplatz: wenn nur du an deinem Schreibtisch warm sitzen willst, nicht der ganze Raum.
Nicht sinnvoll ist sie meist hier:
- Als alleinige Hauptheizung für ein größeres, schlecht gedämmtes Haus mit ganztägigem Wärmebedarf – hier explodieren die Stromkosten.
- Als vermeintlich „günstige” Alternative, um eine funktionierende, sparsam laufende Zentralheizung zu ersetzen.
- In zugigen, hohen oder feuchten Räumen mit hohem Dauerbedarf.
Kurz: Als Ergänzung kann eine Infrarotheizung eine clevere, günstig angeschaffte Lösung sein. Als billige Vollheizung fürs ganze Haus rechnet sie sich in aller Regel nicht – das ist der ehrlichste Satz dieses Ratgebers.
Infrarotheizung kaufen: Darauf solltest du achten
Wenn eine Infrarotheizung zu deinem Einsatzzweck passt, achte beim Kauf auf diese Punkte:
- Leistung richtig dimensionieren: Lieber die Faustregel (~60–100 W/m²) und den Dämmzustand des Raums nutzen, als ein zu schwaches Paneel zu kaufen, das dann dauerhaft auf Volllast läuft.
- Gutes Thermostat: Ein präzises, idealerweise smartes Thermostat mit Zeitprogramm ist der wichtigste Kostenhebel – nur so heizt du gezielt und nicht ins Leere.
- Sicherheit & Qualität: Achte auf CE-Kennzeichnung, GS-Zeichen, sauber verarbeitete Oberflächen und Angaben zur Oberflächentemperatur (relevant bei Kindern und Haustieren).
- Montage & Ort: Freie „Sichtlinie” zum Aufenthaltsbereich, keine Verdeckung durch Möbel oder Vorhänge; Decken- oder Wandmontage je nach Raum.
- Marketing kritisch lesen: „100 % Wirkungsgrad”, „gesündere Wärme” oder „spart bis zu X %” sind Werbeaussagen. Der physikalische Strompreis lässt sich damit nicht aushebeln.
Grenze im Blick behalten: Auch das beste Paneel senkt nicht den Strompreis. Die Kaufentscheidung sollte deshalb immer beim Einsatzzweck beginnen – nicht beim Produktdesign.
Infrarotheizung & das Heizungsgesetz 2026
Viele fragen sich: „Darf ich mit Strom überhaupt noch heizen – oder muss ich eine Wärmepumpe einbauen?” Die kurze Antwort: Ein Verbot der Infrarotheizung gibt es nicht.
Nach aktuellem Stand (Juli 2026) wird das geltende Gebäudeenergiegesetz (GEG 2024) zum 1. November 2026 durch das neue Gebäude-Modernisierungs-Gesetz (GMG) ersetzt. Dabei entfällt die bisherige 65-%-Erneuerbare-Pflicht für neue Heizungen (die §§ 71, 72 GEG werden gestrichen). Das Gesetz setzt auf Technologieoffenheit – Wärmepumpe, Fernwärme, Hybrid, Biomasse, aber auch neue Gas- und Ölheizungen bleiben grundsätzlich erlaubt.
Damit räumen wir drei weit verbreitete Missverständnisse sachlich aus:
- Keine Wärmepumpen-Pflicht. Niemand wird gezwungen, eine Wärmepumpe einzubauen. Mehr dazu im Heizungsgesetz-2026-Überblick.
- Kein sofortiges Gasheizungsverbot. Siehe Gasheizung-Verbot: Was stimmt wirklich?.
- Keine pauschale Austauschpflicht für funktionierende Heizungen – eine Pflicht betrifft nur bestimmte alte Konstanttemperatur-Kessel über 30 Jahre mit Ausnahmen. Details unter Heizung tauschen: Pflicht?.
Maßgeblich ist immer der jeweils aktuelle Gesetzestext – prüfe den Stand, bevor du eine Heizentscheidung triffst. Für Infrarotheizungen als Hauptheizung solltest du außerdem nicht mit einer Heizungsförderung wie für Wärmepumpen rechnen; die aktuellen Förderbedingungen (KfW/BAFA) sind auf Systeme wie Wärmepumpen ausgerichtet.
Betriebskosten senken: Photovoltaik & smarte Steuerung
Weil der Strompreis der Kostentreiber ist, setzt jeder sinnvolle Spartipp genau dort an.
- Eigener PV-Strom: Selbst erzeugter Solarstrom ist deutlich günstiger als Netzstrom. In der Übergangszeit (Frühling/Herbst), wenn die PV-Anlage ordentlich liefert und der Wärmebedarf moderat ist, kann eine Infrarotheizung so spürbar günstiger laufen. Ehrliche Einordnung: Im Hochwinter ist der PV-Ertrag am geringsten, während der Heizbedarf am höchsten ist – dann hilft PV nur begrenzt. Mehr im Photovoltaik-Ratgeber; für den kleinen Einstieg siehe Balkonkraftwerk (das deckt allerdings nur einen Bruchteil des Heizstroms).
- Smart steuern: Zeitprogramme, Präsenz- und Fenster-offen-Erkennung sowie raumweises Heizen (nur beheizen, was gerade genutzt wird) sind die wirksamsten Hebel.
- Grundlast anders lösen: Für den dauerhaften Wärmebedarf des gesamten Gebäudes ist eine effiziente Zentralheizung meist die günstigere Basis – die Kombination aus Wärmepumpe und Photovoltaik ist hier der Klassiker. Weitere allgemeine Hebel findest du unter Heizkosten senken.
Häufige Fragen (FAQ)
Wie viel Strom verbraucht eine Infrarotheizung? Das hängt von Leistung und Laufzeit ab. Ein 600-Watt-Paneel kostet bei ~31 ct/kWh rund 19 ct pro Volllast-Stunde; läuft es effektiv 5 Stunden am Tag über 150 Heiztage, sind das grob 450 kWh bzw. ~140 € pro Jahr und Paneel. Größere Räume und mehrere Paneele erhöhen den Verbrauch entsprechend.
Ist eine Infrarotheizung günstiger als eine Wärmepumpe? In der Anschaffung ja, im Betrieb klar nein. Eine Wärmepumpe erzeugt aus 1 kWh Strom 3,5–4 kWh Wärme, eine Infrarotheizung nur etwa 1 kWh. Für dauerhaftes Heizen eines ganzen Gebäudes ist die Wärmepumpe deutlich günstiger.
Wann ist eine Infrarotheizung sinnvoll? Als Zusatz- oder Übergangsheizung, in kleinen, gut gedämmten oder selten genutzten Räumen sowie im Bad. Als billige Hauptheizung für ein größeres, schlecht gedämmtes Haus ist sie in der Regel nicht sinnvoll.
Ist eine Infrarotheizung wegen des Heizungsgesetzes 2026 verboten? Nein. Es gibt keine Wärmepumpen-Pflicht und kein Verbot elektrischer Heizungen. Das GMG (in Kraft ab 1. November 2026) setzt auf Technologieoffenheit. Maßgeblich ist stets der aktuelle Gesetzesstand.
Lohnt sich eine Infrarotheizung mit Photovoltaik? Eigener Solarstrom senkt die Betriebskosten – vor allem in der Übergangszeit. Im Hochwinter, wenn du am meisten heizt, liefert die PV-Anlage aber am wenigsten. PV macht die Infrarotheizung also günstiger, aber nicht automatisch zur billigen Vollheizung.
Wie viele Watt braucht eine Infrarotheizung pro Raum? Als grobe Orientierung gelten rund 60 W/m² in gut gedämmten und bis zu 100 W/m² in schlechter gedämmten Räumen. Das ist eine Faustregel – für eine belastbare Auslegung ist eine individuelle Berechnung besser.
Trocknet eine Infrarotheizung die Luft aus? Da sie primär Flächen und nicht die Luft erwärmt, gibt es weniger Luftumwälzung und Staubaufwirbelung als bei einem Konvektor. Pauschale Gesundheitsversprechen sind allerdings Marketing und sachlich nicht belegt.
Quellen
- Gebäudeenergiegesetz (GEG 2024) und Gebäude-Modernisierungs-Gesetz (GMG), zuständiges Bundesministerium (jeweils aktueller Gesetzesstand)
- Förderprogramme für Heizungen 2026 (KfW/BAFA), aktuelle Konditionen
- Strompreis-Orientierung 2026 (~31 ct/kWh), Branchen- und Marktdaten
- Physikalische Grundlagen der Infrarot-/Strahlungsheizung und der Jahresarbeitszahl (JAZ)
- Interne Redaktions-Faktenbasis weswegen.de
Stand: Juli 2026. Angaben ohne Gewähr.