Warum es scheinbar zwei Nvidia-Aktien gibt – die Erklärung
Wer im Depot oder auf einem Kursportal nach Nvidia sucht, bekommt oft zwei Treffer: einmal um die 210 US-Dollar, einmal um die 184 Euro – mit unterschiedlichen Kürzeln (NVDA und NVD) und leicht abweichenden Kursen. Das wirkt wie zwei verschiedene Aktien. Ist es aber nicht. Es gibt genau eine börsennotierte Nvidia-Aktie. Was Sie doppelt sehen, ist dieselbe Aktie an zwei Handelsplätzen in zwei Währungen – erkennbar an einer identischen ISIN. Welcher der beiden Plätze für Ihren Kauf günstiger ist, hängt vor allem von Broker und Uhrzeit ab. Beides klären die folgenden Abschnitte.
Der häufigste Grund: eine Aktie, zwei Handelsplätze
Nvidia ist an der US-Technologiebörse Nasdaq notiert – dort läuft die Aktie unter dem Kürzel NVDA in US-Dollar. Damit europäische Anlegerinnen und Anleger nicht in den USA handeln müssen, ist dieselbe Aktie zusätzlich an deutschen Handelsplätzen gelistet: auf Xetra und der Börse Frankfurt sowie an elektronischen Plätzen wie Tradegate, gettex (Börse München) oder der Börse Stuttgart. Dort trägt sie das Kürzel NVD und wird in Euro gehandelt.
Es handelt sich physisch um dasselbe Wertpapier. Der Kursunterschied entsteht nur durch zwei Effekte:
- Währungsumrechnung: 210 US-Dollar sind bei einem Wechselkurs von rund 1,14 USD/EUR etwa 184 Euro. Der Euro-Kurs ist also der Dollar-Kurs, umgerechnet.
- Handelszeiten: Die Nasdaq öffnet erst um 15:30 Uhr deutscher Zeit. Vorher bilden die deutschen Handelsplätze den Kurs auf Basis des vorbörslichen US-Handels und des Wechselkurses selbst ab – daher kleine Abweichungen.
Arbitrage-Händler sorgen dafür, dass beide Kurse praktisch nie auseinanderlaufen: Wäre die Aktie in Frankfurt spürbar billiger als auf der Nasdaq, würde sie sofort gekauft, bis der Unterschied verschwindet.
So erkennen Sie, dass es dieselbe Aktie ist
Der zuverlässige Beweis steckt nicht im Kurs, sondern in der Wertpapierkennung. Jede Aktie hat weltweit eine ISIN (International Securities Identification Number) und in Deutschland zusätzlich eine WKN (Wertpapierkennnummer). Für Nvidia gilt an jedem Handelsplatz:
- ISIN: US67066G1040
- WKN: 918422
Egal ob Sie NVDA auf der Nasdaq oder NVD in Frankfurt aufrufen – die ISIN ist identisch. Genau daran erkennen Sie, dass es sich um ein und dieselbe Aktie handelt und nicht um zwei Gattungen. Kaufen Sie über einen deutschen Broker die Euro-Variante, liegt in Ihrem Depot exakt dasselbe Wertpapier wie beim Kauf an der Nasdaq.
Nein, Nvidia hat keine „Class A“- und „Class B“-Aktien
Im Netz kursiert hartnäckig die Behauptung, die zwei Nvidia-Aktien seien Stammaktien und stimmrechtsreduzierte „Class B“-Aktien, wie man sie von Alphabet (Google) oder Meta kennt. Das ist falsch.
Nvidia hat nur eine Gattung börsennotierter Stammaktien (Common Stock). Es gibt keine öffentlich handelbaren Vorzugs- oder B-Aktien mit abweichenden Stimmrechten. Zwar erlaubt die Satzung (Certificate of Incorporation) grundsätzlich die Ausgabe von „Preferred Stock“ – das ist bei US-Unternehmen üblich –, doch davon ist keine Aktie ausgegeben und an der Börse handelbar. Jede Nvidia-Aktie gewährt dasselbe Stimmrecht und denselben Dividendenanspruch.
Die Verwechslung entsteht vermutlich, weil Unternehmen wie Alphabet tatsächlich zwei Klassen an der Börse haben (GOOGL mit Stimmrecht, GOOG ohne). Bei Nvidia trifft das schlicht nicht zu. Wer die Aktie unter zwei Kürzeln sieht, sieht zwei Handelsplätze – keine zwei Klassen.
Weitere Gründe, warum „zwei Nvidia-Aktien“ auftauchen
Aktiensplits sorgen für Verwirrung
Nvidia hat seine Aktie mehrfach gesplittet – zuletzt im Juli 2021 im Verhältnis 4:1 und im Juni 2024 im Verhältnis 10:1. Bei einem Split wird jede Aktie in mehrere zerteilt, der Kurs sinkt entsprechend, der Depotwert bleibt gleich. Nach dem 10:1-Split 2024 fiel der Kurs von rund 1.200 auf rund 120 US-Dollar.
Wer alte Charts oder Nachrichten mit den Vor-Split-Kursen neben aktuellen Kursen sieht, hält das schnell für zwei verschiedene Aktien. Es ist dieselbe – nur die Stückzahl und der Nennkurs haben sich geändert. Seriöse Kursportale rechnen historische Kurse „splitbereinigt“ zurück, damit der Chart durchgängig bleibt.
ETFs, Zertifikate und Hebelprodukte
In der Suche eines Brokers tauchen neben der Aktie oft Produkte auf, die Nvidia im Namen tragen, aber keine Aktien sind:
- ETFs, die Nvidia als Position enthalten (etwa ein Nasdaq-100- oder Halbleiter-ETF).
- Zertifikate und Optionsscheine einer Bank auf den Nvidia-Kurs.
- Hebelprodukte (Faktor-Zertifikate, CFDs), die die Kursbewegung verstärkt abbilden.
Diese haben eigene ISINs, gehören einem Emittenten und tragen dessen Risiken. Sie sind keine Nvidia-Aktien, auch wenn sie so ähnlich heißen. Ein Blick auf die Wertpapierart und die ISIN trennt sie von der echten Aktie. Wer sich für die Technik hinter dem Unternehmen interessiert, findet Hintergründe unter ist Nvidia Marktführer? und welche Grafikkarte für Deep Learning.
Welchen Handelsplatz sollten Sie wählen?
Da beide Varianten dieselbe Aktie sind, entscheidet nicht die „bessere“ Aktie, sondern der günstigere Handel. Einige sachliche Punkte:
- Währung: Kaufen Sie in Euro (deutscher Handelsplatz), umgeht Ihr Broker die Fremdwährung. Kaufen Sie in US-Dollar direkt an der Nasdaq, können separate Umrechnungs- oder Fremdkostengebühren anfallen – abhängig vom Broker.
- Spread: Der Abstand zwischen An- und Verkaufskurs ist meist am engsten, wenn die US-Börse geöffnet ist (ab 15:30 Uhr). Außerhalb dieser Zeit sind die Spreads in Frankfurt oder Tradegate häufig etwas breiter.
- Handelszeiten: Tradegate und gettex handeln bis in den Abend, teils bis 22 oder 23 Uhr, und decken damit einen Großteil der US-Handelszeit ab.
- Gebühren: Viele Neobroker führen ausschließlich an einem bestimmten Handelsplatz (oft gettex oder Tradegate) aus. Prüfen Sie im Kostenblatt Ihres Brokers, welcher Platz ohne Aufschlag verfügbar ist.
Das sind Kostenüberlegungen, keine Anlageberatung. Ob und in welchem Umfang ein Nvidia-Investment zu Ihnen passt, ist eine individuelle Entscheidung – eine kritische Einordnung finden Sie unter ist die Nvidia-Aktie überbewertet?.
FAQ
Bekomme ich zweimal Dividende, wenn ich beide Varianten kaufe? Nein. Es gibt nur eine Aktie und damit einen Dividendenanspruch pro Stück – unabhängig davon, an welchem Handelsplatz Sie sie gekauft haben. Nvidia zahlt zudem nur eine sehr geringe Dividende; der Ertrag kommt fast ausschließlich aus Kursgewinnen.
Ist die Euro-Variante (NVD) schlechter oder „nur eine Kopie“? Nein. NVD und NVDA verweisen über dieselbe ISIN (US67066G1040) auf exakt dasselbe Wertpapier. Sie erwerben Anteile an der Nvidia Corporation, egal ob in Euro in Frankfurt oder in Dollar an der Nasdaq.
Warum weicht der Euro-Kurs manchmal leicht vom umgerechneten Dollar-Kurs ab? Weil die deutschen Handelsplätze auch dann Preise stellen, wenn die Nasdaq geschlossen ist. Dann fließen der erwartete US-Kurs und der aktuelle Wechselkurs in die Kursbildung ein. Sobald die US-Börse öffnet, gleichen sich die Kurse durch Arbitrage wieder an.