WooCommerce-Produkttypen: die vier Arten und ihre Unterschiede
Wer den falschen Produkttyp wählt, kämpft später mit Varianten, die sich nicht anlegen lassen, oder mit einem Versandfeld, das partout nicht verschwindet. WooCommerce kennt vier Grundtypen plus zwei Schalter (virtuell, herunterladbar), die fast jeden Anwendungsfall abdecken. Nach diesem Artikel wissen Sie, welchen Typ Sie für ein E-Book, ein Bundle, einen Amazon-Partnerlink oder ein T-Shirt in fünf Größen brauchen und wie Sie ihn in wenigen Klicks korrekt einrichten.
Wo Sie den Produkttyp einstellen
Jedes Produkt hat im Backend unter Produkte → Erstellen (bzw. Produkte → Alle Produkte → Bearbeiten) einen Kasten namens Produktdaten. Ganz oben in diesem Kasten steht ein Dropdown, das standardmäßig auf „Einfaches Produkt” steht. Genau hier entscheiden Sie den Typ. Rechts daneben liegen die beiden Checkboxen Virtuell und Herunterladbar.
Je nach Auswahl blenden sich die Reiter links im Kasten um: Allgemein, Bestand, Versand, Verlinkte Produkte, Attribute, Varianten und Erweitert. Ein variables Produkt zeigt etwa den Reiter „Varianten”, ein virtuelles blendet „Versand” aus. Diese Umschaltung ist der schnellste Weg zu prüfen, ob Sie den richtigen Typ erwischt haben.
Einfaches Produkt (Simple Product)
Der Standardfall: ein Artikel, ein Preis, keine Auswahloptionen. Ein einzelnes Buch, eine Lizenz, ein Werkzeug. Sie tragen unter Allgemein den regulären Preis (und optional einen Angebotspreis) ein, unter Bestand die SKU und den Lagerbestand, unter Versand Gewicht und Maße.
Zwei Schalter verändern das Verhalten grundlegend:
- Virtuell: Das Produkt wird nicht versendet. Der Reiter „Versand” verschwindet, und im Checkout entfällt die Versandabfrage. Typisch für Dienstleistungen, Beratungen oder Termine.
- Herunterladbar: Nach dem Kauf erhält der Kunde einen Download-Link. Es erscheint ein Bereich, in dem Sie die Datei hochladen sowie Download-Limit und Ablauf des Downloads (in Tagen) festlegen. Klassiker: E-Books, Musik, Software, Druckvorlagen.
Beides lässt sich kombinieren: Ein E-Book ist meist virtuell UND herunterladbar. Setzen Sie beide Haken, sonst verlangt WooCommerce beim herunterladbaren Produkt trotzdem eine Versandadresse.
Typischer Fehler: Der Download-Link funktioniert nicht. Prüfen Sie unter WooCommerce → Einstellungen → Produkte → Downloadbare Produkte die Option Methode zur Dateifreigabe. „Forced Downloads” ist am sichersten, kann aber bei sehr großen Dateien am PHP-Speicherlimit scheitern; „X-Accel-Redirect/X-Sendfile” ist performanter, setzt aber passende Server-Konfiguration voraus.
Gruppiertes Produkt (Grouped Product)
Ein gruppiertes Produkt ist eine Klammer um mehrere eigenständige einfache Produkte. Es hat selbst keinen Preis und keinen „In den Warenkorb”-Button für sich, sondern listet seine Mitglieder mit je eigenem Preis und Mengenfeld. Ideal für Zubehör-Sets: ein „PC-Arbeitsplatz”, der Maus, Tastatur und Lautsprecher bündelt, die Sie aber auch einzeln verkaufen.
So richten Sie es ein:
- Legen Sie zuerst die einzelnen Produkte als einfache Produkte an (jedes mit eigenem Preis und Bestand).
- Erstellen Sie ein neues Produkt und wählen Sie im Typ-Dropdown Gruppiertes Produkt.
- Wechseln Sie in den Reiter Verlinkte Produkte und tragen Sie die Mitglieder unter Gruppiert ein.
Wichtig zur Abgrenzung: Ein gruppiertes Produkt ist kein Bundle mit Paketpreis oder Rabatt. Jedes Mitglied wird zum eigenen Preis in den Warenkorb gelegt. Wenn Sie einen kombinierten Festpreis oder „Kaufe 3, zahle 2” brauchen, führt der Weg über die kostenpflichtige Erweiterung Product Bundles oder ein Rabatt-Plugin, nicht über den gruppierten Typ.
Externes/Affiliate-Produkt (External/Affiliate Product)
Dieser Typ zeigt ein Produkt in Ihrem Shop an, verkauft es aber nicht selbst. Statt „In den Warenkorb” erscheint ein Button, der auf eine fremde Seite führt, etwa Ihren Amazon- oder Partner-Link. Sie führen keinen Bestand, wickeln keinen Versand ab und verdienen über die Affiliate-Provision.
Nach der Auswahl Externes/Affiliate-Produkt erscheinen im Reiter Allgemein zwei zusätzliche Felder:
- Produkt-URL: der vollständige Partnerlink (idealerweise inklusive Ihres Tracking-Parameters).
- Button-Text: was auf dem Button steht, z. B. „Bei Amazon kaufen”.
Der angezeigte Preis dient nur der Information; es findet kein Checkout in Ihrem Shop statt. Für sauberes Affiliate-Marketing sollten ausgehende Links das Attribut rel="nofollow sponsored" tragen. WooCommerce setzt das bei externen Produkten nicht von selbst; Sie ergänzen es über eine Template-Anpassung oder ein SEO-/Affiliate-Plugin und kontrollieren das Ergebnis im Quelltext (Rechtsklick → „Untersuchen” auf dem Button). Den Ziel-Link des externen Buttons gibt WooCommerce über den Filter woocommerce_product_add_to_cart_url aus (in der Methode WC_Product_External::add_to_cart_url(), die den Link und das Produktobjekt durchreicht); den Button-Text steuern Sie analog über woocommerce_product_add_to_cart_text. An diesen Filtern setzen Sie an, wenn Sie den Link per Code anpassen wollen (Stand: Juli 2026). Beachten Sie außerdem die Kennzeichnungspflicht für Werbung sowie die datenschutzkonforme Einbindung, falls das Partnernetzwerk Cookies setzt. Mehr dazu in unserem Beitrag zu Cookie-Bannern und Einwilligung.
Variables Produkt (Variable Product)
Ein variables Produkt ist ein Artikel mit auswählbaren Varianten: dasselbe T-Shirt in S/M/L und drei Farben. Der Kunde wählt die Kombination, WooCommerce lädt Preis, Bild, SKU und Bestand der passenden Variante. Dieser Typ ist der mit Abstand fehleranfälligste, weil er in zwei Schritten aufgebaut wird: erst Attribute, dann Varianten.
Schritt 1 – Attribute anlegen. Im Reiter Attribute legen Sie die Merkmale an (z. B. „Größe” mit Werten S | M | L). Trennen Sie mehrere Werte mit einem senkrechten Strich |. Setzen Sie bei jedem Attribut, das der Kunde auswählen soll, den Haken Für Varianten verwendet und speichern Sie mit Attribute speichern.
Schritt 2 – Varianten erzeugen. Wechseln Sie in den Reiter Varianten. Über das Aktionsmenü Alle möglichen Varianten erzeugen (in älteren Versionen: „Alle Varianten erstellen”, ausgelöst über den „Los”-Button) legt WooCommerce jede Kombination an. Klappen Sie jede Variante auf und tragen Sie Preis, optional ein eigenes Bild, eine eigene SKU und den Bestand ein.
Die drei häufigsten Stolperfallen:
- „Keine Varianten wählbar” im Shop: Meist fehlt bei einem Attribut der Haken Für Varianten verwendet, oder es wurde nach dem Setzen nicht erneut gespeichert.
- Preis wird nicht angezeigt / Produkt nicht kaufbar: Jede aktive Variante braucht einen eigenen Preis. Eine Variante ohne Preis blockiert den Kauf dieser Kombination.
- Zu viele Kombinationen: Vier Attribute mit je fünf Werten ergeben 625 Varianten und machen die Seite träge. Verwenden Sie Standard-Attribute (unter Produkte → Attribute global angelegt) statt individueller, wenn Sie dieselben Merkmale bei vielen Produkten nutzen.
Verwandtes Thema: Wenn nach dem Anlegen der Bestand nicht stimmt, hilft unser Beitrag zur Lagerverwaltung in WooCommerce.
Welcher Typ wann? Kurzentscheidung
- Ein Artikel, ein Preis, physisch: einfaches Produkt.
- Digitaler Download (E-Book, Software): einfach + virtuell + herunterladbar.
- Dienstleistung/Termin ohne Versand: einfach + virtuell.
- Mehrere Einzelartikel als Set anbieten: gruppiertes Produkt.
- Fremdes Produkt bewerben, Provision verdienen: externes/Affiliate-Produkt.
- Ein Artikel in mehreren Ausführungen (Größe, Farbe): variables Produkt.
Über Erweiterungen kommen weitere Typen hinzu, etwa Abonnements (WooCommerce Subscriptions), Buchungen (Bookings) oder Bundles. Sie erscheinen nach der Installation als zusätzliche Einträge im selben Typ-Dropdown.
FAQ
Kann ich den Produkttyp nachträglich ändern? Ja. Sie ändern das Dropdown im Kasten „Produktdaten” jederzeit. Beim Wechsel von einem variablen zu einem einfachen Produkt bleiben die Varianten zwar in der Datenbank, werden aber nicht mehr angezeigt; wechseln Sie zurück, sind sie wieder da. Preise und variantenspezifische Daten sollten Sie nach jedem Wechsel kontrollieren.
Wie mache ich aus einem einfachen ein herunterladbares Produkt? Setzen Sie im Kasten „Produktdaten” den Haken Herunterladbar, laden Sie im erscheinenden Bereich die Datei hoch und legen Sie bei Bedarf Download-Limit und Ablauf fest. Für rein digitale Artikel zusätzlich Virtuell anhaken, damit keine Versandkosten berechnet werden.
Was ist der Unterschied zwischen gruppiertem und variablem Produkt? Ein gruppiertes Produkt bündelt mehrere eigenständige Produkte, die auch einzeln kaufbar sind, jedes mit eigenem Preis. Ein variables Produkt ist ein Produkt mit auswählbaren Ausführungen derselben Sache. Faustregel: unterschiedliche Artikel → gruppiert; dieselbe Sache in Varianten → variabel.
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